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Forschung

Publikationen, Patente, Karrieren

Thermische Energiesysteme mittels intelligenter Datenauswertung zu optimieren, ist Aufgabe des Josef Ressel-Zentrums an der FH Vorarlberg.
Thermische Energiesysteme mittels intelligenter Datenauswertung zu optimieren, ist Aufgabe des Josef Ressel-Zentrums an der FH Vorarlberg.Bertsch Energy GmbH & Co KG
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Mit Ende 2020 werden vier neue Josef Ressel-Zentren ihre Arbeit aufgenommen haben. Kooperierende FH können so angewandte Grundlagenforschung betreiben.

Am Beginn eines Josef Ressel-Zentrums (JRZ) stehen zwei Grundbedingungen: Der konkrete Forschungsbedarf eines Unternehmens und das Interesse von Wissenschaftlern, sich in diese anwendungsorientierte Fragestellung zu vertiefen. Daraus erwächst ein gemeinsames Forschungsprogramm zwischen Unternehmen und FH. Das Resultat sind neben Innovationen unter anderem Publikationen, Patente und Karrieren.

 

Erst Dissertation, dann Leitung

Gefördert werden die JR-Zentren von der Christian Doppler-Forschungsgesellschaft (CDG). „Bei unserer Gründung 1995 starteten gerade die ersten zehn FH-Studiengänge in Österreich. Die Fachhochschulen waren noch nicht wirklich etabliert“, erzählt CDG-Präsident Martin Gerzabek. In den folgenden Jahren hätten sie sich zu einer wichtigen Säule der tertiären Bildung in Österreich entwickelt, gleichzeitig wurden Forschungskapazitäten aufgebaut. „Die Etablierung des Josef Ressel-Förderprogramms der Christian Doppler-Forschungsgesellschaft wurde für die Bedürfnisse der FH und Partnerunternehmen maßgeschneidert.“ Im wissenschaftlichen Beratungsgremium der CDG sitzt Dominik Engel, seit Jänner 2018 leitet er das Zentrum für sichere Energieinformatik an der FH Salzburg, das aus dem JRZ für anwenderorientierte Smart Grid Privacy, Sicherheit und Steuerung hervorgegangen ist. „2017 lag das Ergebnis unserer Forschungen vor. Danach stellte sich die Frage, ob das Thema erledigt ist oder sich dahinter viele verwandte Forschungsfragen aufgetan haben.“

So kam es zum Zentrum für sichere Energieinformatik, das ab November das JRZ für „Modellbasierte Entwicklung verlässlicher Systeme“ beherbergen wird. „Es freut mich besonders, dass mit Christian Neureiter ein Dissertant aus dem ehemaligen Ressel-Zentrum an dessen Spitze stehen wird“, sagt Engel.

CDG-Präsident Gerbazek nennt ein weiteres JRZ, von dem „signifikante Impulse für die Unternehmen und die Gesellschaft ausgehen“: das Josef-Ressel-Zentrum „Echtzeitvisualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken an der FH OÖ“. „Wir beschäftigen uns mit der Visualisierung und Steuerung dieser Netzwerke in Echtzeit. Die Unternehmenspartner Hofer und BMW Group bekommen Warnungen in Echtzeit, wenn es in ihrem Netzwerk zu potenziell ungünstigen Situationen kommt.“ erläutert Leiter Markus Gerschberger. Aktuell unterstützt das JRK auch den Krisenstab der Bundesregierung im SYRI-Konsortium (Systemischer Risk Index für die Lebensmittelversorgung in Österreich). Das Forschungsprojekt an der FH OÖ läuft bis Ende 2023.

 

Energie und Data Science

Ziel eines weiteren JR-Zentrums ist die Optimierung thermischer Energiesysteme. Es wurde im September an der FH Vorarlberg eröffnet, daran beteiligt sind Bertsch Energy, Gantner Instruments, innotech MSR, Rupp und Weider Wärmepumpen. Die Aufgabe des Zentrums: Thermische Energiesysteme wie Wärmepumpen, Kältemaschinen oder ganze Kraftwerke fit für die Zukunft machen, in dem man Data Sciences mit klassischer Energie- und Verfahrenstechnik kombiniert. „Die Erkenntnisse wollen wir gemeinsam mit den Industriepartnern diskutieren, sodass sie unsere Ideen und Methoden direkt in ihren Betrieben implementieren können“, sagt Leiter Markus Preissinger.

Wie Unternehmenskooperationen funktionieren, erforscht seit Oktober das neue Josef Ressel-Zentrum an der FH Wien der WKW. „Wir suchen nach individuellen Ansätzen, wie Unternehmen gemeinsam nachhaltiger werden können“, sagt Markus Scholz, Leiter des JRK für Collective Action und Responsible Partnerships. Das betrifft zum Beispiel Umsetzungsinitiativen, auch als Verantwortungspartnerschaften bezeichnet. Dabei schließen sich Unternehmen und weitere Akteure zusammen, um ein meist lokal begrenztes Problem von ökonomischer, gesellschaftlicher oder ökologischer Relevanz gemeinsam zu lösen, etwa den Fachkräftemangel oder die Schaffung einer digitalen Infrastruktur. Scholz: „Die Frage, wie sich Unternehmen kollaborativ entwickeln können, ist eines der aktuellsten Themen in der Nachhaltigkeitsforschung.“

INFO

Merkmale von Josef Ressel-Zentren:

Maximale Laufzeit von fünf Jahren Strenge wissenschaftliche Qualitätskontrolle

Kompakte Forschungsgruppe (drei bis zehn Personen)

Gemeinsame Finanzierung durch die öffentliche Hand und Unternehmen

Wissenschaftlicher Freiraum der Forschenden für Kompetenzaufbau

www.cdg.ac.at/foerderprogramme/jr-zentren

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2020)