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Im Küchenkabinett

Es liegt in der Natur der Sache, dass der britische Premier aus dem Home-Office regiert. In Downing Street 10 ist es vom Wohn- ins Arbeitszimmer nur einen Katzensprung, wie Hauskater Larry bezeugen kann.

Bei Boris Johnson ist die Situation diffiziler. Er lebt mit Jungfamilie, wie einst die Blairs, in Downing Street 11. In seiner Selbstisolation schleicht er durch den Hinterhof ins Büro.

Nach dem Getöse um den Abgang des Masterminds Dominic Cummings tut er gut daran. Im Küchenkabinett war es hoch hergegangen: Der Premier briet Würstchen, dazu gab es Tee, Höherprozentiges und Intrigen zuhauf. Cummings nannte Carrie Symonds, Johnsons Verlobte, „Princess Nut-Nuts“. Die „verrückte Prinzessin zum Quadrat“ bombardierte den Premier mit Anrufen und SMS.

Wie in aller Welt soll man da nebenbei das Königreich regieren, den Brexit-Deal mit Brüssel über die Bühne bringen, die Coronakrise eindämmen und mit Joe Biden, dem neuen besten Freund, telefonieren? Nur verständlich, dass Boris abends im Patschenkino in der Serie „The Crown“ Ablenkung sucht in den Querelen der First Family. Ob er den „Balmoral-Test“ im Ferienschloss der Royals in den schottischen Highlands – anders als Maggie Thatcher – bestehen würde? Es würde sicher komischer zugehen – und mit Enfants terribles wissen die Windsors schließlich umzugehen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2020)