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Wien Modern

Ein Hochamt Neuer Musik mit alten Mitteln

Gruppenweise im Kirchenraum verteilt: die Wiener Symphoniker im Stephansdom.
Gruppenweise im Kirchenraum verteilt: die Wiener Symphoniker im Stephansdom.Wien Modern/Markus Sepperer
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Klaus Langs „tönendes licht“, komponiert für den Stephansdom, mit den famosen Wiener Symphonikern und Wolfgang Kogert an der neuen Riesenorgel: ein erquickendes, erhebendes Bad in auratischen Klängen.

Eine sanfte Klangwelle der Streicher flutet den Stephansdom, pianissimo-zart und doch voller Wärme im abendlich kühlen Gemäuer. Die Symphoniker sind gruppenweise im Kirchenraum verteilt: vor dem Hauptaltar, zu beiden Seiten im Querschiff. Von hinten, von der Empore über dem Westportal, wird später die Riesenorgel mit bewegten Floskeln oder auch in rauschendem Pleno herabtönen. An ihrem in der Vierung aufgestellten Spieltisch, der mit seinem Alu-Look altmodisch-futuristisch anmutet wie in Science-Fiction der 1960er-Jahre, sitzt der Organist Wolfgang Kogert und übt sich noch in Zurückhaltung. Im Zentrum der Vierung aber steht Peter Rundel am Dirigentenpult und waltet seines priesterlichen Ordnungsamtes. Ja, es drängt sich geradezu auf, das Geschehen unter den Vorzeichen einer kultischen Handlung, einer Kunstreligion zu deuten und zu erleben. Denn nichts kann die entsprechenden Saiten der Seele so rasch und direkt zum Schwingen bringen wie Musik. Die anfängliche Stimmung ist eine der gespannten Erwartung oder besser: einer zwanglosen Offenheit. Mahlers Erste oder „The Unanswered Question“ von Charles Ives beginnen aus solchen Ruheflächen – aber nicht in C-Dur wie hier.