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Sloweniens Premier attackiert Uefa-Präsidenten

FILE PHOTO: Champions League - Final - Bayern Munich v Paris St Germain
Uefa-Präsident Ceferin.REUTERS
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UEFA-Präsident Aleksander Ceferin ist in den innenpolitischen Wirbel in seiner Heimat Slowenien geraten, wo Ministerpräsident Janez Jansa kommende Woche um seine Absetzung fürchten muss.

Jansa hat Ceferin vorgeworfen, mit seinen "politischen Auftritten" gegen die Prinzipien der Sportorganisation verstoßen zu haben. Ceferin hatte sich gegen Angriffe Jansas verteidigt und dabei lobende Worte über dessen Herausforderer Karl Erjavec gefunden.

Die UEFA sei strikt gegen die Einmischung in die Politik, twitterte Jansa am gestrigen Donnerstag. "Politische Auftritte ihres Funktionärs, gelegentlich sogar unter ihrem Markenzeichen, sind eine Verletzung der Grundprinzipien dieser Sportorganisation." Ceferin tue dies absichtlich, weil er ja ein Jurist sei, fügte Jansa hinzu.

Anlass für den jüngsten Angriff auf den UEFA-Präsidenten war ein Interview in der Boulevardzeitung "Nedeljski Dnevnik". Darin hatte sich Ceferin gegen Unterstellungen und Spekulationen und politische Ambitionen verteidigt. Für die slowenische Politik habe er "weder die Zeit noch den Willen", sagte der Anwalt. In offenkundiger Anspielung auf Premier Jansa fügte er hinzu: "Es ist ein Problem, wenn jemand ein Soziopath und Paranoiker ist. Solche Leute sehen überall Feinde und denken, dass sich alle gegen sie verschwören."

Ceferin äußerte sich positiv über Jansas Herausforderer Karl Erjavec. Dieser "wirkt nicht wie jemand, der Andersdenkende hasst und dessen Ziel es ist, die Slowenen zu spalten". Auch sei es international sehr wichtig, wenn jemand mehrere Sprachen spreche, fügte Ceferin über den in Belgien geborenen Ex-Minister hinzu.

Im rechten politischen Lager und mit diesem sympathisierenden Medien werden Ceferin schon seit längerem politische Ambitionen in seiner Heimat nachgesagt. Er soll sich auch im Hintergrund in die slowenische Innenpolitik einmischen. Das Jansa nahe stehende Nachrichtenportal Nova24TV berichtete etwa im vergangenen November, Ceferin rede den Abgeordneten der mitregierenden liberalen SMC aktiv zu, die Seiten zu wechseln. Die SMC-Abgeordneten spielen eine zentrale Rolle beim Misstrauensvotum am Mittwoch, bei dem die linksgerichtete Opposition Jansa durch Erjavec ersetzen will.

Jansa ist schon seit längerem nicht gut auf Ceferin zu sprechen. Als dieser im Frühjahr die Kommunikationsstrategie der slowenischen Regierung in der Pandemie kritisierte, konterte der Premier mit dem indirekten Vorwurf, der UEFA-Chef sei für die Ausbreitung des Virus in Europa verantwortlich. "Von Konzerten und Fußballspielen in Italien und Spanien hat sich das Virus in ganz Europa verbreitet, Zehntausende Menschen sind deswegen gestorben und werden noch sterben", sagte der Premier im April. In Jansa nahestehenden Medien sowie auf Twitter folgten daraufhin direktere Angriffe auf Ceferin. Konkret ging es um das Champions-League-Spiel zwischen Bergamo und Valencia, das eine Rolle bei der Ausbreitung des Virus in Norditalien gespielt haben soll.

(APA)