Deutschland: Eklat um "Kriegsthese" in der CDU

BdV-Vorsitzende Erika Steinbach
(c) REUTERS (Michaela Rehle)

Vertriebenen-Politiker der Partei behaupten, dass Polen vor dem Einmarsch Deutschlands "mobil gemacht" hätte. Die Parteiführung kritisiert die Aussagen scharf: "Solch eine Meinung hat bei uns keinen Platz."

In Deutschland haben Vertriebenen-Politiker der Union für einen Eklat gesorgt: Sie stellten indirekt die Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs in Frage.

Arnold Tölg, Funktionär des Bundes der Vertriebenen (BdV), hatte die Debatte ausgelöst. Er behauptete, dass Polen bereits im März 1939 und damit vor der Invasion durch Hitler mobil gemacht hätte. Der Angriff durch die Deutschen sei demnach nur der zweite Schritt gewesen.

"Polen machte bereits im März 1939 mobil"

Die Aussagen sorgten in der Union für Empörung. In einer Sitzung des Fraktionsvorstands legte BdV-Vorsitzende Erika Steinbach dann noch einmal nach: "Ich kann es leider auch nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat. Da können Sie mich ja ausschließen, wenn Sie wollen", verteidigte sie laut der Zeitung "Welt" ihren Funktionärs-Kollegen.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreas Schockenhoff kritisierte Steinbach daraufhin scharf: "Es muss klar sein, dass es hier nicht um Meinungsverschiedenheiten, sondern Geschichtsklitterung geht. Eine solche Meinung hat in der Fraktion und der Partei keinen Platz", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Kein Parteiausschluss geplant

Der Hinweis auf die Mobilmachung Polens sei absurd - "als ob dadurch der Einmarsch Polens ins Deutsche Reich bevorgestanden hätte". Jeder wisse, dass dies Unsinn sei und Hitler einen Krieg vorbereitet habe, erklärte Schockenhoff. Ein Parteiausschluss sei aber nicht geplant.Erika

Steinbach will sich aber ohnehin aus der CDU-Spitze zurückziehen, wie sie am Donnerstag ankündigte. "Ich werde nicht mehr erneut für den Parteivorstand kandidieren", kündigte Steinbach am Donnerstag gegenüber der Zeitung "Die Welt" an.

 

Vertriebenen-Politik

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mussten knapp 14 Millionen Menschen aus Ost- nach Westdeutschland fliehen. Als Dachverband für ihre Anliegen wurde der Bund der Heimatvertriebenen (BdV) gegründet. In einer vor 60 Jahren verkündeten Charta versprachen die Vertriebenen, auf "Rache und Vergeltung" zu verzichten. Immer wieder sorgten BdV-Mitglieder mit Aussagen zur NS-Politik für Aufregung.