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LITERATUR

Reform und Reaktion

Aufklärung, Revolution und Liberalismus in der Habsburgermonarchie. Welche Wechselwirkungen bestanden von 1750 bis 1850 zwischen der Geschichte des Wissens und der Geschichte der Staatsbildung? Dieser Frage ist der Historiker Franz Leander Fillafer auf den Grund gegangen.

Die Habsburgermonarchie durchlief zwischen dem Herrschaftsantritt Maria Theresias und der Revolution von 1848 einen Wandel: von einer aus einer Reihe von Königreichen und Ländern zusammengesetzten Personalunion zu einem immer stärker von Wien aus integrierten und regierten, aber weiterhin polyzentrischen Staat. Der Historiker Franz Leander Fillafer hat ein bahnbrechendes Buch vorgelegt, in dem er neues Licht auf die damit zusammenhängenden, häufig mit dem Etikett „Josephinismus“ versehenen geistes- und politikgeschichtlichen Entwicklungen wirft.

Welche Wechselwirkungen bestanden in der Habsburgermonarchie von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts – also in der von Reinhart Koselleck als Scharnier- und Übergangsepoche der europäischen Geschichte zwischen Früher Neuzeit und Moderne konzipierten „Sattelzeit“ – zwischen der Geschichte des Wissens und der Geschichte der Staatsbildung? Dieser Frage ist Franz Leander Fillafer auf den Grund gegangen. Er verwendet den suggestiven, aber mehrdeutigen und semantisch unklaren Begriff „Sattelzeit“ zwar nicht, knüpft aber an Kosellecks These an, dass sich in den Jahrzehnten um 1800 die gesamte politisch-soziale Sprache und damit auch die Wahrnehmung, Erfahrung und Deutung der Welt grundlegend wandelten und alle kulturellen, sozialen und politischen Phänomene historisiert wurden, sodass seither alles Sein nur „durch sein Gewordensein in einer bestimmten Konstellation des historischen Prozesses bestimmt werden“ könne (Daniel Fulda).