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VW Arteon Shooting Brake

Nichts Besonderes können, das aber erstklassig

Voller Nutzwert, hübsch verpackt: Der Laderaum des Shooting Brake ist mit Transportaufgaben nicht leicht zu überfordern.
Voller Nutzwert, hübsch verpackt: Der Laderaum des Shooting Brake ist mit Transportaufgaben nicht leicht zu überfordern.Die Presse/Clemens Fabry
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Der Arteon ist die feinere Variante des VW Passat, speziell als neuer Shooting Brake. Das betrifft aber nicht nur die Kosmetik - in der Summe seiner Eigenschaften konkurriert der Edel-Passat mit Vertretern höherer Stände.

Es ist schon ein Dilemma, vor dem der VW-Konzern steht. Einerseits ist Elektromobilität ausgerufen; Verbrennungsmotor ist Steinzeit, lässt VW-Chef Herbert Diess wissen. Andrerseits sind es die Höhlenmenschen unter den Autokäufern, die diese Kehrtwende finanzieren - indem sie Autos kaufen, die noch ordentlich Marge abwerfen. Das tun Elektroautos bislang nicht, außer für die Hersteller der Batterien, die in Asien sitzen. Die Verhältnisse mögen und werden sich noch ändern, aber im Vorjahr kamen Umsatz und Gewinn noch klar aus dem Pleistozän, nur jedes 40. verkaufte Fahrzeug der Marke Volkswagen war ein rein elektrisches.


Oh Schreck, Diesel


Dass Reden geschwungen werden, die hauptsächlich aufs Echo an den Aktienmärkten abzielen, sollte einen also nicht verdrießen, solange Autos der alten Machart noch gute Dienste leisten. Wie der VW Arteon, der aktuell als Shooting Brake im Test zu beeindrucken wusste. Obwohl er nichts Besonderes kann: Elektromotoren gibt es bei ihm nur für Wischer, Fensterheber und Sitzeinstellung, hybrid ist allenfalls die Karosserieform zwischen Kombi und Fastback. Steinzeitlicher noch: Unter der langen Motorhaube werkt ein Dieselmotor.

Ergonomisch, aufgeräumtes Cockpit. Die neuen Bedienelemente, die VW am Lenkrad eingeführt hat - die sind keine Verbesserung.Clemens Fabry


Hätte man den Aufwand für diesen Zwei-Liter-TDI nur früher getrieben, anstatt es mit Schummeln zu probieren! Denn der Vierzylinder ist eine ehrliche Haut. Die Abgasreinigung mit AdBlue-Einspritzung an zwei verschiedenen Stellen (nah und fern des Motors, genannt "Twin-dosing") ist höchst effektiv und ergibt Schadstoffwerte teils nahe der Nachweisgrenze. Funktioniert auch in der Riechprobe: Das auf den stechenden Geruch von Stickoxiden kalibrierte Näschen schlägt nicht an, auch bei Kälte nicht. Das ist relativ neu.


Transparenz auch bei den CO2-Emissionen, die keinen nicht deklarierten Rucksack aus der weit entfernten Akku-Produktion tragen. Wir kamen im Langzeitschnitt auf 6,4 l/100 km. Das ist für ein Fast-Fünf-Meter-Auto samt Allrad und 200 PS, das auch gerne flott bewegt wird, ein starker Wert. Ob die Plug-in-Hybridvariante da im realen Leben annähernd mitkommt, vom Makel abgesehen, dass sie den alten 1,4 TSI statt des neuen, feinen Hightech-TSI einsetzt? Dass die aktuelle TDI-Technik übrigens auch nicht billig zu haben ist, dazu kommen wir noch.


Analog statt hybrid


Zuerst der vergnügliche Teil: die äußerst gelungene Abstimmung von Motor, Sieben-Gang-DSG, Fahrwerk und Lenkung. Der Arteon basiert auf dem Passat, trug früher nur den Zusatz CC. Edel-Passat kann man ihn gerne nennen - es sind keine schlechten Anlagen. Zumal er sich ganz anders anfühlt. Wir hatten unseren Spaß auf der Landstraße, für die der Arteon einen Sportmodus bereithält - spitzt Ansprechverhalten, Schaltschema und adaptive Dämpfer an - und sich verblüffend kurvenfreudig gibt. Wir müssen uns nochmals an der PHEV-Alternative reiben: Deren höheres Gewicht und die oft intransparenten Übergange an der Bremse zwischen mechanisch und rekuperativ lassen derlei Fahrfreude einfach nicht zu, zudem fehlt die Allrad-Option.

Fast 4,9 Meter lang, bei über 2,8 Metern Radstand: recht opulente Platzverhältnisse an Bord des Arteon Shooting Brake.
Fast 4,9 Meter lang, bei über 2,8 Metern Radstand: recht opulente Platzverhältnisse an Bord des Arteon Shooting Brake.Clemens Fabry


Auf der Autobahn hat man seinen Seelenfrieden, nicht nur weil die nach ein paar Sonderprüfungen skeptische Reichweitenprognose wieder in die Höhe klettert und nach dem Tanken satte 900 Kilometer in Aussicht stellt. Auch weil man hervorragend sitzt, gut gedämmt vom Fahrbahnlärm, der Motor nur unterschwellig knurrend, und dem Klang der Harman/
Kardon-Anlage lauscht. Die Engländer nennen das "Mile muncher" - ein Kilometerfresser, wiewohl der appetitlichen Art.


Die Preise, schluck!, jedenfalls für einen VW. Misst man den Arteon SB aber an 3er-BMW oder C-Klasse, und das ist eben zulässig, ist die Ordnung wieder hergestellt. Am Schicksal des Geheimtipps wird das aber vermutlich auch nichts ändern.

VW ARTEON SB 4MOTION R-Line

Maße: L/B/H: 4866/1871/1462 mm, Radstand: 2835 mm, Leergewicht: 1726 kg, Laderaum: 565-1632 Liter


Motor: R4-Zylinder-Turbodiesel, 1968 ccm, Leistung: max. 147 kW (200 PS), Drehmoment: max. 400 Nm bei 1750-3500/min, 0-100 km/h in 7,4 sec, Vmax: 230 km/h


Allradantrieb
Sieben-Gang-Automatik (DSG)
Testverbrauch: 6,4 l/100 km


Preis: ab 58.140 Euro (R-Line)