Roma in Österreich - Zahl kann nur geschätzt werden

Roma in Österreich - Zahl kann nur geschätzt werden
Roma in Österreich - Zahl kann nur geschätzt werdenRudolf Sarközi, Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma (c) Reuters (Lisi Niesner)

Der Kulturverein der österreichischen Roma vermutet 10.000 Roma in Österreich. Seit dem Jahr 1993 sind Roma als Volksgruppe anerkannt. In Österreich gibt es keine Slum-artigen Siedlungen.

Über Roma in Österreich gibt es keine validen Daten, die Zahl der Angehörigen dieser Volksgruppe kann lediglich geschätzt werden. Rudolf Sarközi, Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma und Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma, geht von rund 10.000 autochthonen Roma in Österreich aus, dazu kommen etwa 25.000 bis 30.000 Zuwanderer, Gastarbeiter und Flüchtlinge, die der Volksgruppe der Roma angehören. Die autochthonen Roma, also jene, die seit Generationen hier leben, sind seit 1993 als Volksgruppe offiziell anerkannt.

Valide Daten gibt es nicht, da bei der Volkszählung 2001 nicht die Stärke einer Volksgruppe, sondern die Umgangssprache erhoben wurde. Im Vergleich zu jener im Jahr 1991 war bei der letzten Volkszählung außerdem eine große Zunahme bei Romanes auffällig. Die Statistik Austria vermutete deshalb vor einigen Jahren unter anderem, dass von einem Teil Romanes mit Rumänisch verwechselt wurde. Angaben über die Zahl der Roma in Österreich sind also lediglich Schätzungen.

"Heimatbundesland" Burgenland

Das eigentliche "Heimatbundesland" der heimischen Roma sei das Burgenland, erklärte Sarközi am Donnerstag, mittlerweile lebten aber sehr viele in Wien, Graz und Linz. Die Geschichte der Roma in Österreich reiche über 300 Jahre zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie von den Nationalsozialisten verfolgt. Auch vorher schon habe es ständig Anfeindungen gegeben, vor allem in deutsch-national geprägten Gebieten und Orten. Aber auch nach dem Krieg seien Roma sehr lange benachteiligt worden, er selbst habe den "Alltagsrassismus" in seiner Kindheit noch miterlebt, so Sarközi. Heute gebe es keine besonderen rassistischen Anfeindungen mehr.

Auf tragische Weise ins Licht der Öffentlichkeit rückten die Roma 1995: In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar wurden vier Burgenländer, die der Volksgruppe der Roma angehörten, bei einem politisch und rassistisch motivierten Bombenanschlag in Oberwart getötet. Die Männer waren in eine Sprengfalle geraten, als sie eine als Verkehrszeichen getarnte Tafel mit der Aufschrift "Roma zurück nach Indien" entfernen wollten. Für den Anschlag wurde 1999 der Bombenbauer Franz Fuchs verurteilt.

"Fahrenden Volk" nur Klischee

Slum-artige Roma-Siedlungen gibt es in Österreich laut Sarközi nicht. Die einzig sichtbare Roma-Siedlung sei eine Art Kleingartenanlage in Oberwart. Das Klischee vom "fahrenden Volk" stimmt Sarközi zufolge übrigens so nicht: Schon früher seien die meisten Roma sesshaft gewesen. Es habe nur wenige gegeben, die für ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit, beispielsweise als Messerschleifer, an die Leute herangehen mussten.

(APA)