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Data Science

Ordnung ins Datenchaos bringen

Daten stehen mittlerweile im Überfluss zur Verfügung. Die Kunst ist, aus ihnen sinnvolle Informationen herauszulesen.
Daten stehen mittlerweile im Überfluss zur Verfügung. Die Kunst ist, aus ihnen sinnvolle Informationen herauszulesen.[ Pexels/M. Spiske]
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Riesige Datenmengen warten darauf, ihr Wissen preiszugeben. Data Scientists sind dafür verantwortlich, sie zu analysieren. Lehrangebote sind vielfältig und praxisbezogen.

Man steht vor dem überfüllten Kleiderschrank und sucht verzweifelt nach dem Lieblingspullover – so ähnlich kann man sich das Dilemma vorstellen, vor dem derzeit viele Firmen mit ihrer Fülle an Daten stehen. Große Datenmengen müssen sinnvoll organisiert und abgespeichert werden. Dafür braucht es die Marie Kondos der Datenverarbeitung: Data Scientists schaffen Abhilfe und sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt.

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, jungen Menschen zu zeigen, wie unterschiedliches Datenmaterial sinnvoll für die unternehmerische Entscheidungsfindung herangezogen werden kann, in unterschiedlichen Kontexten“, sagt Marion Garaus, Dekanin der Modul University Vienna, die ab Herbst den Bachelorstudiengang „Applied Data Science“ anbietet. Data Science beschäftige sich mit der Auswertung und Interpretation von Daten unterschiedlicher Form – Zahlen, Texte, Bilder, erklärt Garaus. Auch Data Mining, die Verarbeitung von Big Data und maschinelles Lernen seien Bestandteile des Curriculums. Data Science nutze Methoden der Informatik, des Software Engineerings, aber auch der Statistik, der Signalverarbeitung und der Sensorik. Somit unterscheide sie sich von der breit angelegten Informatik sowie von Computer Science, die sich auf Entwicklung und Testen von Software-Anwendungen konzentriere, sagt Garaus. Die Kombination von Datenwissenschaft mit ihrer betriebswirtschaftlichen Anwendung mache das Studium einzigartig.

 

Die Wut zur Datensammlung

Markus Prossegger, Interims-Studiengangsleiter des ebenfalls im Herbst startenden Masterstudiums „Applied Data Science“ an der FH Kärnten beschreibt eine „Datensammelwut“ als Folge von immer günstiger werdenden Speichermedien. „Diese riesigen Datenmengen warten darauf, ihr Wissen durch die Anwendung innovativer und manchmal unkonventioneller Methoden preiszugeben“, sagt der Professor. Ein Data Scientist erzeuge einen Mehrwert in Form von Wissen aus Daten und beschäftige sich mit deren gesamten Lebenszyklus, von der Entstehung zur Übertragung, Speicherung der Daten, deren Analyse und Visualisierung der Ergebnisse. Das Studium widme jedem dieser Punkte ein eigenes Modul; die Praxisorientiertheit werde durch Übungen sowie ein semesterübergreifendes Projekt gewährleistet. Auch an der Modul University Vienna rundet ein Projekt den praktischen Teil ab. Dort „steht die Analyse realer Datensätze und die Lösung konkreter Probleme mithilfe verschiedener datenwissenschaftlicher Methoden im Vordergrund“. Studenten arbeiten direkt in Unternehmen und würden akademisch mittels Workshops und Feedback-Sessions begleitet. Absolventen könnten eine Karriere in Branchen verfolgen, die eine datenbasierte Optimierung von Geschäftsprozessen anstreben, etwa Beratung, Marktforschung, Banken, Handel, Logistik, Gesundheitswesen und Forschung.

 

Grundwissen abseits der IT

Eine etwas andere Richtung schlägt die Montanuni Leoben mit dem seit 2020 bestehenden Bachelorstudium „Industrial Data Science“ ein, ein anschließender Master ist für 2022 geplant. „Das Studium führt die Stärkefelder der Montanuniversität (Rohstoffgewinnung, Werkstoffe, Industrielle Prozesse) mit den Anforderungen der Digitalisierung und Data Science zusammen“, erklärt Studiengangsbeauftragter Peter Auer. Das Studium beinhaltet naturwissenschaftliche Grundlagen und technische Prozesse. „Rückmeldungen aus der Industrie zeigen uns, dass Data Scientists ohne dieses Verständnis Projekte oft nicht umsetzen können. Diese Lücke soll durch Industrial Data Science geschlossen werden.“ Da die Montanuniversität eine solide Grundausbildung biete, gebe es keine inhaltlichen Voraussetzungen, aber Interesse an Technik sei Pflicht, so Auer. Auch die Modul University erwartet keine Vorkenntnisse. „Wir freuen uns über motivierte Bewerber mit guten Kommunikationsfähigkeiten, die sich in einer internationalen Community einbringen“, sagt Garaus. Die FH Kärnten setzt außer „Spaß und Neugier an innovativen Software-Lösungen und einer Portion Kreativität“ ein einschlägiges Bachelorstudium voraus. Die Jobchancen seien ausgezeichnet, sagt Prossegger: „Der Arbeitsmarkt wartet bereits auf unsere ersten Absolventen.“

AUF EINEN BLICK

Data Science wird unter anderem an der FH Kärnten, der Modul University Vienna, der Montanuniversität Leoben, der FH St. Pölten (Data Intelligence), und der FH Salzburg (Business Informatics) angeboten. Sie umfasst Elemente der Informatik, des Software Engineerings, maschinelles Lernen und Data Mining.

Links: www.fh-kaernten.at, www.modul.ac.at, www.fh-salzburg.ac.at, www.unileoben.ac.at, www.fhstp.ac.at, www.fh-salzburg.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2021)