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Der Mercedes GLE 350de 4Matic
Fahrbericht

Und für dieses Auto gibt's kein Geld vom Staat?

Mercedes ist der einzige Hersteller, der einen Dieselmotor mit einem Plug-in-Elektroantrieb kombiniert. Zur Perfektion bringen das die Deutschen im großen SUV GLE. Nur der Staat ist nicht so begeistert von dieser Kombination.

Wien. Wir in der Motorredaktion der „Presse“ sind ja umweltbewusste Autofahrer und deswegen ein wenig skeptisch, wenn es um den massiven Trend hin zu Plug-in-Hybridautos (PHEV) geht. Wenn man sie nicht regelmäßig auflädt, sind sie für die Umwelt belastender als ein vergleichbares Verbrennermodell. Die Politik aber liebt PHEV, verlangt für sie keine teure NoVA und fördert sie mit 2500 Euro pro Fahrzeug (inklusive Herstelleranteil).

Mit einer Ausnahme: Die Förderung gibt es ausdrücklich nicht für Diesel-Plug-in-Hybridfahrzeuge. Dabei arbeitet der Diesel seit dem Abgasskandal ehrlich und sauber und bietet noch dazu den Vorteil des geringeren Verbrauchs. Eigentlich die ideale Kombination: Dieselantrieb für die Lang-, Elektroantrieb für die Kurzstrecke.

Dass die Kunden nicht laut gegen das Förderverbot aufbegehren, hat damit zu tun, dass in Österreich nicht viele betroffen sind. Aktuell bietet nur Mercedes Autos mit kombiniertem Diesel- und Elektroantrieb an. Nach einem Test des GLE 350 de 4Matic müssen wir uns fragen: Warum gibt es ausgerechnet für dieses Auto keine staatliche Förderung? Verdient hätte es sich dieser Mercedes!

4,9 Liter Verbrauch

Das wichtigste Argument: ein Verbrauch von 4,9 Litern über den ganzen Testzeitraum. Das ist weniger, als viele Kompaktwagen verbrauchen – und wir reden hier von einem fast fünf Meter langen SUV mit einem stattlichen Eigengewicht von 2673 Kilogramm.

Den beachtlichen Verbrauchswert verdankt man einer 31,2-kWh-Batterie, die wir brav regelmäßig aufluden und die für eine rekordverdächtige elektrische Reichweite von 85 bis 94 Kilometern sorgte. Sie ist notfalls auch wieder schnell geladen, weil dieser Mercedes auch einen Gleichstrom-Anschluss bietet. An der richtigen Ladestation ist der Akku nach etwas mehr als einer halben Stunde wieder auf 100 Prozent.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Wer also diszipliniert ist, gleitet mit diesem Trumm von Auto völlig lautlos und abgasfrei tagelang in die Arbeit. Bis man jäh aus der Stille gerissen wird, weil sich plötzlich der Dieselmotor wieder einschaltet. Vielleicht, weil man die Ruhe gewohnt ist, vielleicht, weil sich der Vierzylinder-Dieselmotor mit diesem SUV einfach mehr anstrengen muss – auf jeden Fall grüßt der Motor bei Belastung recht deutlich in die Kabine.

Seine Stärke spielt der Zweiliter-Dieselmotor mit seinen 194 PS auf der Langstrecke aus, wo keine Batterie mehr hilft. Fährt man gemütlich mit dem automatischen Abstand- und Spurhalter über die Autobahn, begnügt er sich mit 8,7 Litern auf 100 Kilometer.

Alles Friede, Freude, Superauto? Na ja, kein Licht ohne Schatten. Das Gewicht, zurückzuführen auf die große Batterie, haben wir schon erwähnt. In der Praxis bedeutet das, dass man recht ordentlich in die Bremsen steigen muss – stärker, als man das gemeinhin bei einem Mercedes gewohnt ist. Bei flotter Fahrt wiederum, wenn man die 136 elektrischen PS und den Allradantrieb für den Fahrspaß nützt (Systemdrehmoment: 700 Nm), neigt sich der GLE ordentlich in die Kurve. Die Wankstabilisierung Curve wird für den 350 de nicht angeboten. Und natürlich schlägt die Physik zu, die Masse drängt in der Kurve nach außen.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Wie bei allen Plug-in-Hybridfahrzeugen muss man auch Zugeständnisse beim Kofferraumvolumen machen: Normalerweise schluckt der GLE 630 Liter. Mit der Batterie im Heck reduziert sich das Volumen auf 490 Liter (bei Fahrer plus vier Passagieren).

Hervorheben muss man die überarbeiteten Assistenzsysteme. Auf der Autobahn kann man dem GLE sogar bei Baustellen samt weißen und orangen Bodenmarkierungen die Lenkung überlassen. Die Spracherkennung arbeitet ähnlich gut wie jene von Handys: Der derzeit wohl wichtigste Befehl – „Fahr mich ins Gasthaus“ – bringt umgehend eine Auflistung von naheliegenden Restaurants.

Und für dieses Auto will uns der Staat kein Geld zuschießen?! Leider scheitert man mit dem GLE nicht nur an der Diesel-Elektro-Kombination, sondern auch an der Fördergrenze. Der Staat zahlt nur bis zu einem Basispreis von 60.000 Euro zu, der Mercedes GLE 350 de beginnt bei 79.170 Euro.


[RHAFR]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2021)