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Architektur

Da stöhnt der Geist des Wien Museums

Temporär ruinöser Anblick am Karlsplatz? Der Umbau des Wien Museums ist in vollem Gange.
Temporär ruinöser Anblick am Karlsplatz? Der Umbau des Wien Museums ist in vollem Gange.Christian Kühn
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Denkmalschutz führt sich ad absurdum, wenn er nicht nur pragmatisch, sondern prinzipienlos vorgeht. Was passieren kann, wenn die nötige Einfühlung fehlt, zeigt sich aktuell am Umbau des Wien Museums am Karlsplatz.

Die Passanten am Wiener Karlsplatz kamen aus dem Staunen nicht heraus. Was passierte da vor ihren Augen mit dem Wien Museum? Im Laufe weniger Wochen verwandelte es sich in eine Ruine, die ohne Dach, Fensterrahmen und Natursteinfassade dastand und das rohe Tragwerk aus Stahlbeton und Ziegelmauerwerk zum Vorschein kommen ließ. Wie konnte man mit einem Haus, das doch unter Denkmalschutz steht, so umgehen? Auch der ORF griff das Thema auf und berichtete im „Kulturjournal“ über die Hintergründe. Der Bericht gab einerseits Entwarnung: Der ruinöse Anblick sei nur temporär, alle Maßnahmen seien mit dem Denkmalamt abgestimmt. Andererseits vermittelte der Bericht in den Kurzinterviews diverser Experten den Eindruck, dass es zwei Arten von Denkmalschutz gibt: eine fundamentalistische, die keinerlei Änderung an einem Baudenkmal akzeptiert, und eine pragmatische, die davon ausgeht, dass ein Denkmal „lebendig“ bleiben und sich daher an veränderte Nutzungsansprüche und Normen anpassen muss.

Das Wien Museum ist exemplarisch für das angesprochene Dilemma. Es zeigt aber auch, dass sich der Denkmalschutz ad absurdum führt, wenn er nicht nur pragmatisch, sondern prinzipienlos vorgeht. Im konkreten Fall beginnt das Problem schon damit, dass der Denkmalschutz in der Ausschreibung des Wettbewerbs im Jahr 2015 explizit festgehalten hat, dass „sowohl eine Aufstockung als auch ein weiterer Anbau an das Bestandsgebäude aus Sicht des Bundesdenkmalamtes als nicht möglich erachtet werden“. Dem Siegerprojekt gelang es, gegen beide Vorgaben zu verstoßen: Es schlug die Aufstockung des Hauses um zwei Geschoße und einen Zubau ans Foyer an der Hauptfassade vor. Das Denkmalamt hatte zwar keine Stimme in der Jury, aber man darf annehmen, dass seine Meinung vor der Juryentscheidung sondiert wurde. Offensichtlich gab es grünes Licht. Hätte das Denkmalamt auf seinen Positionen beharrt, wäre die Politik am Zug gewesen: Der zuständige Minister hätte den Denkmalschutz aufheben müssen, so wie es die damalige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer im Fall eines anderen Museums, der Albertina, entschieden hatte, bei dem eine historische Deckenkonstruktion dem Expansionstrieb des Hausherren im Weg stand.