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Analyse

Am Ende läuft es wieder für Rainer Seele

SEELE Rainer
„Ich gehe mit einem strahlenden Lächeln“, sagt Rainer Seele.Michael Rausch-Schott / Verlagsgruppe News/ picturedesk.com
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Der deutsche Manager machte die OMV profitabel wie nie zuvor. Trotzdem muss sein Nachfolger Alfred Stern den Komplettumbau des Konzerns wagen.

Wien. Wenigstens der Abschied war versöhnlich: Nach dem unrühmlichen Hick-Hack in der OMV-Chefetage konnte der scheidende Konzernchef Rainer Seele am Mittwoch doch noch zufrieden Bilanz über seine sechs Jahre beim Energiekonzern ziehen: Erst gab es grünes Licht für die lang umkämpfte Gaspipeline Nord Stream 2. Und dann legte das Unternehmen, das Seele 2015 in gehöriger Schieflage übernommen hatte, auch noch das beste Halbjahresergebnis in seiner 65jährigen Geschichte hin.

Operativ erwirtschaftete der Ölkonzern in den ersten sechs Monaten einen Gewinn (CCS; bereinigt um Lagereffekte) von knapp 2,2 Milliarden Euro und einen Rekord-Cashflow von 3,4 Mrd. Euro. Wobei Ölkonzern eigentlich nicht einmal mehr zur Hälfte stimmt. Zwar stieg der Gewinn der klassischen Öl- und Gassparte dank höherer Preise kräftig. Doch mit knapp 1,1 Milliarden Euro steuerte das neu zugekaufte Chemiegeschäft (Borealis) den Löwenanteil des Gewinns bei. Zu verdanken ist das dem globalen Aufschwung, der die Nachfrage nach Polyoefinen in der Automobil- und Gesundheitsindustrie stark wachsen ließ.

Borealis kann mehr als gedacht

„Borealis kann noch viel mehr als alle – inklusive wir selbst – erwartet haben“, erläuterte Finanzvorstand Reinhard Florey mit Blick auf frühere Anschuldigungen, wonach die OMV mit 4,1 Milliarden Euro zu viel für die Mehrheit an der Borealis bezahlt habe.
„Die künftige Ausrichtung des Konzerns auf Chemie ist also nicht nur nachhaltig, sondern auch äußerst profitabel“, ergänzte Rainer Seele mit sichtlicher Genugtuung. Den Anstoß für die Verwandlung der OMV konnte der 61jährige Manager noch geben.

Umsetzen wird er den Konzernumbau nicht mehr. Mit 1. September übernimmt der frühere Borealis-Chef Alfred Stern die Führung des OMV-Tankers. Seine große Feuertaufe wird die Präsentation der neuen Unternehmensstrategie sein, mit der Stern klar machen muss, wieviel Öl und Gas noch in der OMV von morgen stecken wird. Wohin fließen die Milliarden an Investitionen in den kommenden Jahren? Und welche Unternehmensbereiche haben mittelfristig keine Zukunft mehr in der OMV?