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Lang galt die Küstenregion Somalias als Hotspot der Piraterie. Doch mittlerweile finden die meisten Entführungen im Golf von Guinea statt, in der Nähe von Nigeria.
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Gefährlichste Regionen der Welt

Das Geschäft mit der Entführung

Weil Unternehmen in den gefährlichsten Regionen der Welt tätig sind, sichern sie sich gegen Entführungen ihrer Mitarbeiter ab. Daraus ist ein Geschäftsfeld entstanden, von dem viele Akteure profitieren – von dem die Öffentlichkeit aber nur wenig mitbekommt.

Das Telefon klingelt. Zuerst ein Rauschen, dann knarrt eine raue Stimme in gebrochenem Englisch: „We have your team. We want 400 million. Otherwise we kill them.“

Es sind Anrufe wie dieser, den Vorstände und Eigentümer von Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in gefährliche Regionen entsenden, nie bekommen wollen. In diesem Fall wurde die Besatzung eines deutschen Frachtschiffs im Golf von Guinea entführt. Westafrika, vor allem vor der Küste Nigerias, hat sich zum Hotspot der Piraterie entwickelt. Ob Handelsschiffe, Tanker, Fischerboote oder Expeditionen – sind Menschen an Bord, werden sie zum Ziel schwer bewaffneter Krimineller. Die Entführer stürmen das Schiff und verschleppen ihre Opfer in wendigen Schnellbooten ins naheliegende, unüberschaubare Niger-Delta. Von dort aus kontaktieren sie die betroffenen Unternehmen oder die Familien der Geiseln – und fordern Lösegeld.

Solche Vorfälle passieren aber nicht nur auf Hoher See (siehe Karte unten). In vielen Gebieten ist die Armut und Verzweiflung so groß, dass Entführungen zu einem lukrativen Geschäftsfeld geworden sind. Daraus hat sich eine ganze Industrie entwickelt: Berater, Vermittler, Dolmetscher, PR-Agenturen, Sicherheitsfirmen, Transporteure und Versicherungen bieten ihre Dienstleistungen und Produkte an, um solche Situationen zu vermeiden, sie gegebenenfalls zu bewältigen und die Geiseln zurück in ihre Heimatländer zu bringen. Nicht selten schneiden korrupte Regierungen oder lokale Behörden in den Entwicklungsländern an den Lösegeldzahlungen mit, was die Verhandlungen und Befreiung nicht gerade erleichtert. All das passiert in der Regel unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit – meist erfährt die Welt erst davon, wenn etwas nicht so funktioniert hat, wie es sollte.