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Glosse

Wer braucht noch Lokführer?

Eine entspannte Rückreise aus dem Urlaub sieht anders aus – stundenlanges Warten, ausgefallene Züge, volle Bahnhöfe.

Die deutsche Lokführergewerkschaft GDL hat den Zeitpunkt geschickt gewählt, um die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn (DB) platzen zu lassen und ein drittes Mal zu streiken. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in den Tarifverhandlungen ist ihr sicher.

Doch will sie das wirklich? Betrachtet man die Sache näher, könnte der Eindruck entstehen, die Lokführer seien egoistische, geltungsbedürftige, machthungrige Sturköpfe. Die DB ist ihnen mit einer Lohnerhöhung von 3,2 Prozent und einer 600-Euro-Corona-Prämie entgegengekommen. Aber das reicht ihnen nicht. Statt sich in Gesprächen um mehr zu bemühen, legen sie ihre Arbeit nieder. Beobachter vermuten, es gehe ihnen gar nicht ums Geld, sondern um Einfluss innerhalb der Gewerkschaft. Die DB ist bereits so verzweifelt, dass sie ihren Kunden Freiminuten für Leihfahrräder anbietet. Während man sich von den Lokführern mehr Besonnenheit wünscht, sollte die DB dieses Problem etwas weitsichtiger angehen: Die Technik für fahrerlose Züge ist schon marktreif.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2021)