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Anbaumöbel "Typensatz 602" von Ehrlich, 1957, und "Drop" von Luigi Colani für Rosenthal Porzellan, 1971.
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Designausstellung

Deutsches Design von 1949 bis 1989: Zwei Parallelen treffen sich

In Dresden verbinden sich zwei Teile einer Designgeschichte wieder zu einem Ganzen: in der Ausstellung „Deutsches Design von 1949 bis 1989“.

Billige und bunte Plastik-­­Re­troware aus der DDR versus funktionale Ästhetik der Ulmer Schule in der BRD – so einfach ist es bei genauerer Betrachtung dann doch nicht. Auch über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung fällt es offenkundig schwer, „lieb gewonnene“ Klischees zu hinterfragen. In der von Erika Pinner und Klára Němečková kuratierten Ausstellung „Deutsches Design von 1949 bis 1989“ des Kunstgewerbemuseums Dresden in Kooperation mit dem Vitra Design Museum, die in der Kunsthalle im Lipiusbau gezeigt wird, wird die deutsche Designgeschichte nach 1949 erstmals in einer umfassenden Gesamtschau beleuchtet. Dabei geht es weniger um wertende Vergleiche als vielmehr um ein Herausarbeiten von Parallelen und Querbezügen zwischen Design in Ost und West.

RK 5 „Sensit“, Karl Clauss Dietel, Lutz Rudolph, aus dem Jahr 1967(c) Gunter Binsack

Ost-West-Begegnungen

Begriffe wie „Bauhaus“ und „Werkbund“ prägen bis heute die Wahrnehmung des deutschen Designs weltweit. Besonders spannend scheint dabei der Aspekt, wie sich die Entwicklungen der Vorkriegszeit unter völlig unterschiedlichen Lebensbedingungen fortsetzen konnten. „Die DDR hatte nach dem Krieg mit einer großen Abwanderung der wichtigen Betriebe und Persönlichkeiten zu kämpfen. Nichtsdestotrotz haben Designer gerade in den 1950er-Jahren auf beiden Seiten der Grenze zu herausragenden Leistungen im Bereich der Gestaltung beigetragen“, erklärt Němečková.
Die aktualisierte Bestandsaufnahme des deutschen Designs in den Jahren der Teilung will beide deutsche Staaten gleichberechtigt einbeziehen und letztlich zu einer Erweiterung des kulturellen Gedächtnis führen. Dabei soll allen voran mit einer Annahme gebrochen werden: Dass Design in der DDR aufgrund der autoritären staatlichen Strukturen keine große Rolle gespielt habe. Neben ideologischen Unterschieden gibt es für Němečková auch mit Blick auf die politischen Hintergründe eine überraschende Vielfalt an Verbindendem zu entdecken: „Die logische Gemeinsamkeit war das Aufbauen auf den Prämissen des 1907 gegründeten Werkbundes und des Bauhauses. Ohne dass diese Wörter in Ostdeutschland ausgesprochen wurden, sind viele Parallelen in der Orientierung auf indus­trielle Gestaltung unmittelbar nach dem Krieg in Ost und West zu beobachten. Es ging hier und dort darum, die Menschen mit Wohnraum und den wichtigsten Produkten zu versorgen.“