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Leitartikel

Eine mutlose Politik beschert der Gesellschaft Kollektivstrafen

Archivbild: Einkaufen nach dem Ende des harten Lockdowns auf der Wiener Mariahilfer Straße Februar. Nun wird hinter vorgehaltener Regierungshand wieder über ähnlich harte Maßnahmen, wie vergangenen Herbst und Winter, geredet.
Archivbild: Einkaufen nach dem Ende des harten Lockdowns auf der Wiener Mariahilfer Straße im Februar. Nun wird hinter vorgehaltener Regierungshand wieder über ähnlich harte Maßnahmen, wie vergangenen Herbst und Winter, geredet.(c) ALEX HALADA / AFP / picturedesk.com
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Die Covidzahlen explodieren, eine Vollbremsung namens Lockdown – und zwar für alle – wird immer wahrscheinlicher. Das müsste nicht so sein.

Wenn zwei in der Klasse schwätzen, mussten früher alle Liegestütze machen. Kollektive Strafen sind heute verboten. Was in Sachen Coronabekämpfung ansteht, erinnert aber daran. Hinter vorgehaltener Regierungshand wird wieder darüber geredet: der Lockdown für alle.

Angesichts der davongaloppierenden Coronazahlen bleibt bald auch nichts anderes übrig. Die Vollbremsung für alle wird notwendig, weil vorher beim Impfen nicht Vollgas gegeben wurde. Selbst wenn noch viele bisher Impfunwillige überraschend ihre Meinung änderten, die nötige Immunität würde nicht rechtzeitig erreicht. Die vierte Welle baut sich in atemberaubender Geschwindigkeit auf.

Besonders bedenklich: Die Inzidenzen der ungeimpften über 65-Jährigen explodieren. In dieser Gruppe kommt es oft zu schweren Verläufen. Aber nicht nur. Mit der Deltavariante gibt es immer mehr schwere Erkrankungen unter Jungen, die auf der Intensivstation landen. Und ja, dort liegen auch immer mehr Geimpfte. Das ist übrigens kein Skandal, sondern logisch. Es war immer klar: Die Impfung schützt bis zu 95 Prozent vor schweren Verläufen. Es bleibt eine Restmenge. Außerdem: Wären 100 Prozent der Bevölkerung geimpft, gäbe es im Spital nur mehr Geimpfte – auch das ist logisch. Die Inzidenzen unter Geimpften sind aber noch immer niedrig.