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Pizzicato

Fifferlinge in der Fütze

Früher, da beklagte man noch, dass die österreichische Politik in deutschen Zeitungen kaum vorkomme, während der deutschen Politik bei uns so viele Seiten gewidmet werden.

Das fällt uns nun wieder ein, da die Suche nach der neuen Kanzlerin (das Amt hieß 16 Jahre so, wieso sollte man das jetzt ändern?) lang und breit im Blätterwald besprochen wird. Doch inzwischen füllen auch österreichische Politskandale ganze Aufmachergeschichten in Deutschland. Somit können wir uns wieder dem alten und niemals faden Small Talk widmen, was die Deutschen und Österreicher voneinander unterscheidet: die gemeinsame Sprache.

Wir wundern uns nämlich, warum die bundesdeutsche Variante so viele Wörter mit Pf umfasst, obwohl sie diesen Anfangslaut gar nicht aussprechen können – und obwohl es in der österreichischen Variante Pendants gibt, ganz ohne Pf! Wo Österreicher eine Lacke sehen, steigen Deutsche über eine „Fütze“, der Ball geht in Österreich an die Stange, in Deutschland an den „Fosten“. Wir essen gern Eierschwammerln, Palatschinken und Zwetschken, sie „Fifferlinge“, „Fannkuchen“ und „Flaumen“. Hier ist einer ein gstandenes Mannsbild, dort ein „Fundskerl“. Was schöner klingt, ist Geschmackssache. Die hiesigen Wörter verbreiten jedenfalls weniger Tröpfcheninfektionen bei der Aussprache. (vers)

Reaktionen an: veronika.schmidt@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2021)