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Morgenglosse

Sonntagsöffnung: Ein kleines Geschenk für den Handel

Am letzten Adventsonntag sollten die Geschäfte aufsperren dürfen.
Am letzten Adventsonntag sollten die Geschäfte aufsperren dürfen.APA/dpa/Daniel Bockwoldt
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Am letzten Adventsonntag sollten die Geschäfte aufsperren dürfen. Es geht nicht um Konsumterror. Es geht darum, eine Kulturtechnik zu bewahren.

Wieder erwischt es den Handel mitten im Weihnachtsgeschäft. Das wird auch heuer wieder Amazon machen. Für den Rest bleibt die Hoffnung auf Staatshilfen und mehr Vernunft in der Bevölkerung.

Experten schätzen, dass der Lockdown die Händler 3,1 Milliarden Euro an Umsätzen kosten wird. Das ist die Hälfte des Geschäfts im November und Dezember. Und das gilt nur, wenn wie geplant am 13. Dezember wieder aufgesperrt werden darf.

Mehr zum Thema im Podcast der "Presse":

Anna Wallner und David Freudenthaler reden über den zweiten Black Friday in Österreich im Lockdown, die Auswirkungen auf den Handel und wie der Handel generell mit dem neuerlichen Lockdown umgeht.

 

Einige Händler fordern schon, dass sie am vierten Adventsonntag ihre Geschäfte öffnen dürfen. Die Chancen stehen schlecht. Denn kaum ein Thema wird bei uns so emotional geführt, wie jenes der Sonntagsöffnung. Der Sonntag gehört der Familie, der wird nicht dem Konsumterror geopfert, meinen Gewerkschaften und Kirche.

Wenn man den Kauf eines Weihnachtsgeschenks als eine abzuwickelnde Transaktion versteht, dann mag das stimmen. Dann braucht es auch keine Geschäftsstraßen mehr, keine Nahversorger. Ein, zwei Global Player, ein, zwei Supermarktriesen machen das effizienter und reibungsloser.

Das hat die Pandemie doch gezeigt. Die Paketzusteller kommen nicht mehr nach, und ein Teil des traditionellen Geschäfts ist unwiederbringlich ins Internet abgewandert. Die Umsätze und die Steuern gehen zwar zum Großteil ins Ausland, aber Hauptsache es herrscht Sonntagruhe in Österreich.

Was hier sukzessive zerstört wird, sind nicht nur Händler, Klein- und Mittelbetriebe, es sind Ortskerne, Stadtzentren, Straßenzüge. Das sind nicht nur Handelsplätze, sondern auch soziale Errungenschaften. In vielen Dörfern ohne Nahversorger ist man sich dessen mittlerweile bewusst.

Jedes Geschenk hat eine Geschichte. „Ich hab es bei Amazon bestellt“, ist keine, die man gerne erzählt. Einkaufen mit Atmosphäre, Inspiration und Erlebnis gibt es nur offline. Das sollte heuer ausnahmsweise auch am letzten Sonntag vor Weihnachten möglich sein.

Es ginge nur um ein kleines Geschenk.

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