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Grazer Premieren

Das Opernheil kommt aus Böhmen

Schwanda und seine Dorotka (Petr Sokolov und Polina Pastirchak) glücklich wieder vereint.(c) Werner Kmetitsch
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Gegensätzlicher hätten die Produktionen nicht ausfallen können: Es brillierte Weinbergers „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“, blass blieben Bizets „Perlenfischer“.

Das amüsante Spiel, das schließlich auch den Teufel aus der Fassung bringt, kann beginnen: Der sympathische Bauer Schwanda, der das Talent besitzt, mit seinem Spiel des Dudelsacks die Menschen zu unterhalten, leidet sonst „nur“ an mangelndem Erinnerungsvermögen. Als ein dahergelaufener Vagabund ihn stante pede zu Abenteuern überreden kann, verlässt er Haus und Hof – und vergisst einfach, dass er mit seiner geliebten Dorotka frisch vermählt ist. Die Welt steht dem kleinen Hallodri offen, der diese auch bald auf den Kopf stellt. Schwanda, in dem ein wenig vom lieben Augustin ebenso steckt wie von Till Eulenspiegel, ist nicht mehr zu bremsen, stiftet Unheil und Verwirrung, bis er letztendlich doch wieder in den Armen seiner Dorotka landet. Wo kann sich denn so eine herzige Story abspielen? Nur in einer böhmischen Märchenoper!

Dieser im April 1927 am Prager Nationaltheater uraufgeführte „Švanda dudák“ („Schwanda, der Dudelsackpfeifer“) von Jaromir Weinberger (1896–1967) war sofort ein Erfolgsstück ohnegleichen. Die Buntheit der Handlung, die Vielfalt der Motive und die Direktheit der Gefühle legten das Fundament für eine einzigartige Musik, die gleichzeitig berühren wie entzücken kann. Sanft modernistisch eingefärbt vermittelt sie den schillernden Jargon der Zwischenkriegszeit – das zeitliche Umfeld wird durch Bergs „Wozzeck“ (1925) und Kreneks „Jonny spielt auf“ (1927) eingegrenzt. Hör- und Verständnisprobleme sollte es in diesem Fall aber für niemanden geben, denn der Tonfall der Verfremdung ist unschwer mitzubekommen. Die Tradition von Wagner, Mahler, Reger oder Janáček ist bei Weinberger stets präsent, auch wenn sie in verquerem Moll oder in verrutschtem Zeitmaß daherkommt.