„Liberale“ wollen eigene Glaubensgemeinschaft

Kritik. ILMÖ kämpft für eine eigene Moslemvertretung.

Geht es um Kritik an der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), meldet sich in jüngster Zeit vor allem die „Initiative Liberaler Muslime“ (ILMÖ) zu Wort. Der Verein versucht sich seit etwa einem Jahr als die Stimme jener Muslime zu positionieren, die ein liberales Verständnis des Islam haben, so Sprecher Amir Albayati. Bisher geschah dies vor allem mit heftigen Attacken auf die Vertreter der IGGiÖ, speziell auf Präsident Anas Schakfeh und den Integrationsbeauftragten und SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi.

In Aussendungen sprach man von „Scheinwahlen“ in der IGGiÖ, machte die Glaubensgemeinschaft für die Schaffung von Parallelgesellschaften verantwortlich – und sprach der offiziellen Vertretung der Muslime ihre Legitimation ab, für alle Muslime zu sprechen. Unter anderem stieß man sich daran, dass die Glaubensgemeinschaft nicht glaubhaft die Zahl ihrer Mitglieder nennen konnte.

Eine eigene Mitgliederliste der ILMÖ abseits der acht Gründungsmitglieder, so Sprecher Albayati, gebe es aber nicht. Man wolle sich auch gar nicht so straff organisieren, schließlich sei die Mehrzahl der Muslime in Österreich ja auch nicht organisiert.

In der IGGiÖ selbst nimmt man die kleine Gruppe der Unzufriedenen nicht allzu ernst. Als „die Minderheit von einer Minderheit einer Minderheit“ bezeichnet Omar Al-Rawi die ILMÖ. Und Präsident Schakfeh sagt in einem Interview sogar, dass er die Initiative gar nicht kenne. Allerdings: „Ich kenne einige Personen davon, die sich nie sonderlich für Religion interessiert haben.“


Bis zum EuGH

Und doch hat die ILMÖ große Pläne. Im Dezember, so Sprecher Albayati, werde man beim Kultusamt um Anerkennung einer Islamischen Glaubensgemeinschaft der „Liberalen Muslime“ ansuchen. Ein Unterfangen, das mit großer Sicherheit abgelehnt wird – schon allein wegen der fehlenden Mitgliederzahl. Doch damit rechne man. Und plant daher, mit diesem Antrag bis zum Europäischen Gerichtshof zu gehen. eko

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2010)