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Glosse

Downing in Downing Street

(c) imago images/ZUMA Wire (Tayfun Salci via www.imago-images.de)
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Großbritannien im Lockdown, Restaurants und Pubs haben zu. Kein Bier fließt mehr. Aber am Sitz der Regierung, bei Johnsons daheim in der Londoner City, dort bechern sie kräftig. Wie ein Skandal um Lockdown-Partys einem Straßennamen eine neue Bedeutung gibt.

London, ja das Königreich, im Corona-Lockdown. Wenige Menschen in den Straßen, leere Pubs, leere Bars, trockene Zapfhähne, trübe Herzen. Man kann nur missmutig durch die Straßen ziehen, im Kopf ertönt der Refrain „. . . to wander the dark streets of London“ aus dieser traurigen Trinkerhymne der „Pogues".

Doch siehe, am Ende der Straße, da brennt noch ein Licht! Das ist die Downing Street, im Herzen von Britanniens Macht und nahe einem meiner Lieblingspubs, dem Silver Cross. Klar hat's zu. Aber in der Downing Street residieren der Premierminister und sein Stab, und es gab dort trotz der Lockdowns der letzten Jahre oft Umtrünke mit Bier, Wein, Schnaps etc., wie man hört. Natürlich illegale, denn dem Volk waren solch lustige Treffen verboten.

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Ein anständiger Umtrunk sorgt immer für Scherben.APA/AFP/ADRIAN DENNIS

Aber auf dieser hohen Ebene kann man sich's richten, gell - und wer bewacht schon die Wächter? (Ja, die Leibwächter; solche gibt es auch als Fläschchen an der Supermarktkasse). Und so kippten sich bei Johnsons all die Mitarbeiter, Funktionäre, Politiker weiter einen hinter die Binde. Und das oft und angeblich sogar regelmäßig. Auch zwecks Spannungsabbau. Cheers!

„To down a drink", einen hinunterschütten, heißt's salopp bei den Angelsachsen. Nun, da kriegt „Downing Street" gleich eine neue Bedeutung.

Mails: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2022)