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Bethany Williams gilt in London als Pionierin der sozialen Mode.
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Gesellschaft

Radikal Sozial: Mode mit Werten

Mode kann sehr wohl direkt Einfluss auf das Leben von Menschen nehmen, wie innovative Ansätze unter Beweis stellen.

Nicht nur die Moden ändern sich mit der Zeit, sondern auch die Wertekataloge, die dem System der Kleiderproduktion zugrunde liegen. Wurde also im 20. Jahrhundert die Bekleidung zu einem ästhetischen Wesen, das sich ökologischen, sozialen und kulturellen Strukturen entzieht, so stellen junge Modedesig­nende diese Entwicklung heute infrage. Sie wollen mit ihrer Kreativität positive Veränderungen in der Gesellschaft anstoßen.

Die Modedesignerin Bethany Willi­ams etwa wird in London als soziale Pionierin gehandelt  – und als eine, die die Welt der Mode neu denkt. Ihre Kollektionen entstehen aus wiederverwerteten Stoffen und werden in sozialen Organisationen gefertigt. Zuletzt arbeitete sie mit Making for Change, einer Organisation, in der inhaftierte Frauen in der Modeproduktion geschult werden – um die Rückfallquote zu senken. Dabei bezahlt sie Löhne, die über der ortsüblichen Mindestgrenze liegen. Außerdem ist ihr Team für die Zusammenarbeit mit den oft traumatisierten Mit­gliedern dieser Communitys psychologisch geschult.

Veränderungswille

Sie habe das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen, denn im Alltag arbeite sie mit Menschen, die es wirklich schwer haben, während die Mode eine Art Seifenblase sein könne, sagte Williams, deren Arbeit gerade das Design Museum in London zeigt, im Gespräch mit der „Vogue“. Andererseits könne Mode aber auch genutzt werden, um Ideen zu verbreiten und Veränderungen zu bewirken. Mit ihrer Kollektion möchte sie das Leben dieser Frauen verbessern und gesellschaftlichen Klischees entgegenwirken. Andrew Groves, Professor für Modedesign an der University of Westminster in London, sieht in ihrem Unternehmenskonzept eine Blaupause für die Zukunft: „Früher haben wir den Designern ihre ehrgeizigen Welten abgekauft, heute kaufen wir ihnen ihre ehrgeizigen Handlungen ab.“