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Wahlreigen bei Muslimen: Auftakt in Kärnten

Wahlreigen Muslimen Auftakt Kaernten
(c) Klaus Höfler
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Die Führung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich formiert sich neu. Zunächst werden bei Regionalwahlen Vertreter aus den Bundesländern bestimmt. Kärnten machte am Sonntag den Anfang.

Villach. „Es ist ein großer Schritt nach vorne“, freut sich Esad Memic. Der Imam des Gebetshauses der bosnischen Muslime in Villach meint die Wahl zur neuen islamischen Religionsgemeinde, die am Sonntag in elf Wahllokalen in ganz Kärnten stattgefunden hat.

Es ist eine Premiere. Bisher waren Kärnten und die Steiermark in einer gemeinsamen Religionsgemeinde zusammengefasst. In Zukunft wird es – entsprechend der neuen Verfassung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) – in jedem Bundesland eine eigene Gemeinde geben. Deren Vertreter werden – mit Ausnahme des Burgenlands, wo sich zu wenige Muslime für die Wahl registrieren ließen – in Regionalwahlen bestimmt. In Kärnten wurde damit begonnen, den Abschluss bilden die Steiermark und Wien im April.

„Wir mussten den Leuten viel erklären und immer wieder auf die Bedeutung der Wahl hinweisen, viele hatten Angst vor der Registrierung“, erinnert sich Memic an die seit Sommer laufende Vorbereitung. Der Einsatz scheint sich gelohnt zu haben: Knapp eintausend der rund 2700Mitglieder der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Kärnten hatten sich rechtzeitig registrieren lassen. Im Gebetshaus der bosnischen Muslime im Villacher Stadtteil Völkendorf herrscht Sonntagvormittag Hochbetrieb. Im Foyer des vor einem Jahr vom Verein erworbenen und adaptierten Hauses sitzen Frauen rund um einen großen Tisch. Männer haben es sich in dunklen Ledersofas bequem gemacht, Kinder spielen rund um eine Bar. In einem Nebenraum gleich neben dem großen Gebetsraum ist das Wahllokal eingerichtet. Die dreiköpfige Wahlkommission ist teilweise aus Graz angereist. Irfan Buzar, Mitglied des Oberstes Rats der IGGiÖ, und Hasudin Atanovic vom islamischen Dachverband sind aus Wien gekommen und überwachen als Wahlbeobachter das Prozedere.

 

„Kompliziert, stört aber nicht!“

Das Interesse scheint nicht nur unter den bosnischen Muslimen in Villach hoch zu sein. Auch im Wahllokal des türkischen Vereins Atib in Spittal/Drau rechnet man mit einer Wahlbeteiligung von mehr als 90Prozent. Dass das mehrstufige Verfahren von der Wahl in der Religionsgemeinde bis zur abschließenden Wahl eines Nachfolgers des abtretenden IGGiÖ-Präsidenten Anas Schakfeh kompliziert ist, geben die Muslime zu. „Es stört aber nicht“, heißt es.

Es überwiegt die Freude, am Ende über eine offizielle Glaubensvertretung und Ansprechstation für die Politik zu verfügen. Memic unterstreicht die Bereitschaft, für Dialog und Integration einzutreten. Die aktuellen Terrorwarnungen in Deutschland werfen einen Schatten. „Das schadet uns doppelt: Zum einen werden in der Öffentlichkeit wieder Vorurteile geschürt, zum anderen haben auch wir Angst.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2010)