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Ukrainistik

Entdeckung einer nahen Kultur

Ein Denkmal im Türkenschanzpark erinnert daran, dass ukrainische Kosaken Wien bei der Türkenbelagerung 1683 beistanden.
Ein Denkmal im Türkenschanzpark erinnert daran, dass ukrainische Kosaken Wien bei der Türkenbelagerung 1683 beistanden.[ J. Madzigon]
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Das Wissen über das Land und seine Sprache ist hierzulande ausbaufähig. Dem kann abgeholfen werden – von der Ringvorlesung über den Sprachkurs bis zum Doktoratsstudium.

Neben dem Grauen des Krieges und dem Elend der Vertriebenen hinterlassen in diesen Wochen und Monaten auch die medialen Auftritte des ukrainischen Präsidenten einen bleibenden Eindruck. Wer Wolodymyr Selenskij im Originalton hört, nimmt oft zum ersten Mal den Klang der ukrainischen Sprache wahr. Ukrainisch gelte als wohlklingend und melodisch, sagt Mariya Donska, Lektorin am Institut für Slawistik der Universität Graz. Zusammen mit Russisch und Belarussisch gehört das Ukrainische zur Gruppe der ostslawischen Sprachen. Diese seien zwar eng miteinander verwandt, gingen jedoch seit dem 14. bis 15. Jahrhundert „getrennte Wege“. Heute sei der Unterschied zwischen Russisch und Ukrainisch jenem zwischen Deutsch und Niederländisch vergleichbar.

Basiskurse für erste Kontakte

Donska wird ab Mai erstmals am Zentrum Treffpunkt Sprachen der Uni Graz einen Semesterkurs für Ukrainisch leiten, der neben Uni-Angehörigen auch einem breiteren Personenkreis offen steht. Es werden Basiskenntnisse für eine einfache Konversation vermittelt und auch die ukrainische kyrillische Schrift. „Das Angebot soll allen zugänglich gemacht werden, die Ukrainisch-Kenntnisse erwerben wollen, um mit den Menschen, die hier Zuflucht suchen, leichter in Kontakt treten zu können, zum Beispiel Pädagogen, die sich mit der Aufgabe konfrontiert sehen, Kinder und Jugendliche aus der Ukraine zu begleiten bzw. zu unterrichten“, sagt die Zentrumsleiterin, Daniela Unger-Ullmann.
Schon länger bestehen Semesterkurse auf Anfänger-Niveau am Sprachenzentrum der Universität Wien.

Auch an manchen Volkshochschulen werden derzeit Ukrainisch-Kurse angeboten oder sind geplant. Die VHS Wien bietet etwa neben „Ukrainisch A1 zum Kennenlernen“ auch eine kostenlose, nicht nur sprachbezogene Veranstaltung für Gastgeber ukrainischer Geflüchteter.
Für eine längerfristige Beschäftigung mit der ukrainischen Sprache und Kultur sprechen nicht nur die Visionen der Zukunft (so könnte die Amtssprache des flächenmäßig größten rein europäischen Landes einmal EU-Sprache werden), sondern auch pragmatische Gründe in der Gegenwart. Es werden mehr zertifizierte und gerichtlich beeidete Dolmetscher für Ukrainisch benötigt. Derzeit sind dafür beim Österreichischen Gerichtsdolmetscherverband nur sieben gelistet, die durchwegs im Großraum Wien angesiedelt sind.

Universitäre Ukrainistik

Wien ist auch das Zentrum der – sehr traditionsreichen – akademischen Ukrainistik. Als einer von zwei Standorten (neben Greifswald) betreibt die Uni Wien diese Disziplin als voll ausgebaute Studienrichtung. Einzig fehle noch ein Lehramtsstudium, sagt Michael Moser, Professor am Institut für Slawistik mit Schwerpunkt Ukrainistik. Man bemühe sich derzeit aktiv darum, ein solches zu etablieren, auch im Hinblick auf die nun zahlreichen Migranten aus der Ukraine. Man habe den Vorteil, ein Programm ohne nennenswerte Mehrkosten aufziehen zu können, da am Studienstandort bereits mit den vorhandenen Literatur- und Sprachwissenschaftlern sowie den Experten des Nachbarinstituts für osteuropäische Geschichte geballtes Know-how vorhanden sei. „Daraus ergibt sich für die Studierenden ein Riesenangebot, weshalb auch etliche Studierende aus Ländern wie Japan oder den USA zu uns kommen.“
Wien sehe sich als führendes Forschungszentrum für die Geschichte der ukrainischen Sprache, aber auch für die ukrainische Literatur. Gleichzeitig sei die Stadt ein Zentrum für die Geschichte der Ukraine, die hier nicht nur von Historiker-Kollegen behandelt werde, sondern auch am Institut für Slawistik eine zentrale Rolle spiele. „Es gibt ja keine Literatur und keine Sprache ohne historischen Kontext.“

Apropos Geschichte: Was die historische Zugehörigkeit von Teilen der Ukraine zur Habsburger-Monarchie betrifft, kann diese auf der Homepage der Österreichisch-Ukrainischen Gesellschaft in Wien anhand zahlreicher Lebensgeschichten, Spuren und Denkmäler von Ukrainern in Wien nachvollzogen werden. www.oeug-wien.at

Veranstaltungen

► Ringvorlesung „Perspektiven auf die Ukraine“, Webex-Meeting oder hybrid an der Universität Salzburg. www.plus.ac.at

► 20. Österreichisch-ukrainisches Sommerkolleg Lemberg/Lviv, findet heuer in Wien statt. 3.bis 17. Juli, Infos am Institut für Slawistik der Uni Wien und in Kürze auf der Website.

► Österreichisch-ukrainisches Sommerkolleg: „Eine gemeinsame Sprache finden“, 10. bis 23. Juli an der Universität Innsbruck.
www.uibk.ac.at/osteuropazentrum