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Glaubensfrage

Frauen über Frauen in der Kirche

Pfingsten gilt als Geburtsstunde der Kirche. Dass sie nie männlich gewesen ist, ist klar. Auch wenn nur Männer Weihe-Ämter innehaben. Was denken Frauen über Frauen in der Kirche?

Der Besuch ist schon ein paar Wochen her. Eine Gruppe von Frauen aus Österreich hat Rom besucht. So weit, so zunächst wenig spektakulär. Nur: Es ist eine Delegation katholischer Laiinnen gewesen, die dem Vatikan eine Visite abgestattet hat (nein, dort besteht kein Zutrittsverbot für Frauen). In mehreren Abteilungen wurden Anliegen vorgebracht – auch Papst Franziskus bei einer kurzen Begegnung.

Darum hat sich neulich ein Gespräch mit Angelika Ritter-Grepl gedreht. Die Tirolerin ist Österreich-Präsidentin der katholischen Frauenbewegung (hat noch nie jemand an einen neuen Namen gedacht?), die die Österreicherinnen-Runde angeführt hat. Mediales Interesse fand dieses durchaus interessante kleine, aber feine Ereignis so gut wie nicht. Wie überhaupt Interesse an dem, was die Kirche sagt und tut, überschaubar geworden ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zur Frauenchefin: Nachdem so viele Männer, vom Bischof bis zum Land-Vikar, auch zu Pfingsten in der Kirche das Wort ergreifen, geben wir es hier einer Frau. Angelika Ritter-Grepl, wie erwähnt Präsidentin der katholischen Frauen, erzählt über ihre Erfahrungen in Rom: „Das Frauenthema ist weltweit da, über alle kulturellen Unterschiede hinweg. Manchmal geht uns die Geduld aus. Es zieht sich wie ein Strudelteig. Aber ich bin sehr beeindruckt, welch klares Bild die Menschen haben, die in den Dikasterien des Vatikans arbeiten, was in der Kirche in der Welt vor sich geht.“

Haben sie aber auch Ideen, wie darauf reagieren, was wie reformieren? Angelika Ritter-Grepl: „Mastermind ist der Papst. Papst-Ernennungen von Frauen in höchste Ämter bringen das Frauenthema voran.“ Immerhin hat Franziskus ein Tabu gebrochen. Frauen dürfen seit der ab Pfingsten geltenden Kurienreform jetzt – ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer für die Kirche – auch Leitungsfunktionen übernehmen, die bisher Priestern vorbehalten gewesen sind. Wieder Angelika Ritter-Grepl: „Es spürt jeder, dass sich etwas ändern muss, dass wir uns in einem Reformprozess befinden. Wir haben eine Bewegung aufeinander zu, eine Zangenbewegung: ein Top-down durch Ernennung von Frauen im Vatikan und ein Bottom-up durch den weltweit laufenden synodalen Prozess. Am Ende des Tages wird es schon auch darum gehen, wie gehen wir mit dem Thema der Weihe um. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass Änderungen schneller kommen als langsamer. Wir sind unterwegs und der Kurs stimmt.“

Nach der christlichen Lehre und Tradition gilt Pfingsten als die Geburtsstunde der Kirche, als Fest des Heiligen Geistes. Als einer seiner sieben Gaben ist im Katechismus eine Eigenschaft definiert, ohne die Reformen in der Kirche nicht vorankommen werden: Weisheit.

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2022)