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Sommerarena

Lustiges Salzkammergut: "Weißes Rössl" in Baden

Muss man beim Lustigsein im Salzkammergut so viel schuhplatteln? Regisseurin Isabella Gregor verzettelt sich oft im allzu Urigen.(c) Gregor Nesvadba
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In welcher Zeit soll Benatzkys Singspiel „Im Weißen Rössl“ spielen? Regisseurin Isabella Gregor konnte sich nicht recht entscheiden. Das Schauspiel war immerhin stark.

Ein Doktor Siedler, der auf dem Hoverboard beim Hotel ankommt. Eine Fabrikantentochter mit fliederfarbenem Haar und Camouflage-Jacke. Dann aber wieder der Besuch des Kaisers – wie passt das zusammen?
Unentschlossenheit, in welcher Zeit sie spielen soll, prägt Isabella Gregors Inszenierung von „Im Weißen Rössl“ in der Sommerarena Baden. Teils will die Regisseurin modernisieren, teils verzettelt sie sich im allzu Urigen. Dies liegt auch an der Choreografie – muss man denn im Salzkammergut beim Lustigsein gar so viel Schuhplatteln?

Zugegeben: In Ralph Benatzkys Singspiel läuft man generell ständig Gefahr, in der als ach so himmelblau besungenen Welt in Kitsch abzudriften. Während der Zahlkellner seine Wirtin anschmachtet, deutsche Fabrikanten ihre Patentstreite ausfechten und die Salzkammergut-Bewohner die Vorzüge ihrer Region und des Hotels, in dem das Glück vor der Tür steht, besingen, kann es rasch zu viel an Himmelhochjauchzendem werden. Dem entgeht Gregor durch geschickte Dosierung – und auch durch bewusstes Streifen am Kitsch, nicht ohne rasch wieder zurück ins Seriösere zu kommen. Vor einem drehbaren Hotel, das auf der Rückseite zum Kuhstall wird, oder vor einer überdimensionalen Postkarte schnurrt der Pointenapparat, auch wenn manches gar platt wirkt, etwa, wenn zwischen dem „allerwertesten Familienkreis“ eine lange Pause gemacht wird. Auch Seitenhiebe auf die Vielzahl der heimischen Minister sind entbehrlich. Angetrieben wurde die komödiantische Seite vor allem durch Jens Janke, der als Fabrikant Gieseke ständig etwas zu meckern hatte, kein „Be-uschl“ bestellen wollte und schließlich eine flotte Stepptanz-Sohle aufs Parkett legte.