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Im Prunksaal der Nationalbibliothek digital stöbern

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Durch eine Kooperation mit Google konnte die Österreichische Nationalbibliothek über 600.000 urheberrechtsfreie Werke digitalisieren und dem weltweiten Publikum zugänglich machen.

Die Österreichische Nationalbibliothek ist neuen Kooperationen gegenüber sehr aufgeschlossen. So oder so ähnlich kam es auch zur Partnerschaft mit Google vor über zehn Jahren. Die Public Private Partnership mit Google im Rahmen von Austrian Books Online ist das größte Digitalisierungsprojekt im Bereich der Massendigitalisierung der Österreichischen Nationalbibliothek. Über 600.000 urheberrechtsfreie Werke sind bisher digitalisiert worden und wurden damit einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht. 

Hier wurde in den letzten Jahren der gesamte urheberrechtsfreie Buchbestand digitalisiert und hat für uns eine wichtige Schutzfunktion erfüllt

Michaela Mayr, Leiterin der digitalen Bibliothek

Die zu digitalisierenden Werke seien dabei nach Deutschland gebracht worden, um gescannt zu werden. „Alle Bücher sind durch die Hände von Restauratoren gegangen, bevor sie ans externe Scanzentrum geschickt wurden, wie auch noch einmal beim Zurückkommen. Die lückenlose Kontrolle lief engmaschig mit den Restaurierungsmaßnahmen und einer Überprüfung des Zustands der Bücher.“ Dabei stieß man auch auf kuriose Zeitzeugen, Fundstücke wie Briefe, Zeichnungen, Fotografien oder Visitenkarten von Adligen und sogar Entlehnscheine anderer Bibliotheken.

Privatbibliothek von Prinz Eugen

Unter den gescannten Werken befindet sich auch der Prunksaal-Bestand und die berühmte, aus circa 15.000 Druckschriften bestehende Privatbibliothek von Prinz Eugen von Savoyen, seit 2014 Teil vom Unesco-Verzeichnis „Memory of Austria“. Beide Seiten haben von der Zusammenarbeit profitiert. Google durch den Zugang zum einzigartigen Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek und diese wiederum hätte das enorme Vorhaben aus komplett eigenen Mitteln so nicht finanzieren können, wovon wieder die Nutzer profitieren.
Rechte an den Büchern hat Google dabei keine erworben, digitalisiert wurde ausschließlich der bereits urheberrechtsfreie Buchbestand der Bibliothek vom Beginn des 16. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Österreich erlischt das Urheberrecht literarischer Werke 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers. Nur wenige Werke mit besonderem Wert oder die aufgrund von Beschaffenheit oder Größe nicht transportgeeignet waren, waren vom Projekt ausgeschlossen.

Ganze 200 Millionen Seiten wurden digitalisiert und zusätzlich ist der Bestand per OCR – Optical Character Recognition, optische Zeichenerkennung – nun im Volltext durchsuchbar. Damit ist es dem Leser nicht nur möglich, in Sekundenschnelle an Information zu kommen, sich Bücher im Viewer anzeigen zu lassen, sondern auch ganze Buchseiten als PDF herunterzuladen. Die Digitalisate sind dabei kostenfrei zugänglich für jeden, der Interesse an einem urheberrechtsfreien Buch aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek hat – und dies entweder direkt in der digitalen Bibliothek oder bei Google Books.

Virtueller Spaziergang im Prunksaal

Wer etwa zuvor ein Buch der 200.000 Bücher aus dem Prunksaal ausheben wollte, musste dieses erst einmal vorbestellen und dann nach der Information im Buch suchen müssen – das fällt dank der Partnerschaft mit Google komplett weg. Durch die Zusammenarbeit der Österreichischen Nationalbibliothek mit dem Google Cultural Institute kann man den Prunksaal überdies jederzeit per virtuellem Spaziergang online besichtigen. Ebenso wie man, wo auch immer man sich auf der Welt befindet, in der Volltextsuche den Gesamtbestand online durchsuchen kann.

„Das eröffnet so viele neue Möglichkeiten, gerade im Feld der Forschung, für die wir unsere Datenbestände gern hergeben. Es geht auch zukünftig weg von der Recherche in Einzelbüchern, über Datenanalyse, teilweise per Machine-Learning-Technologie, sollen komplette Bestände untersucht werden. Hier hat das Projekt mit Google eine sehr wichtige Basis für uns geschaffen. Und wir können darauf aufbauen und mit den Daten weiterarbeiten. Das wäre sonst nicht möglich gewesen.“

Michaela Mayr, Leiterin der digitalen Bibliothek

Analog und digital greifen ineinander

„Oft kommt die Frage, ob wir die Bibliothek und Lesesäle irgendwann zusperren. Das wird nicht passieren. Wir sehen, dass die analogen Räume sehr gut genutzt werden.“ Und das auch während der Coronapandemie. Wurden im Jahr 2019 die analogen Lesesäle noch von fast 200.000 Besuchern genutzt, waren es 2021 zwar nur knapp über 80.000. Das Interesse an den Inhalten der Österreichischen Nationalbibliothek hat dabei aber nicht nachgelassen, sondern sich verstärkt in den digitalen Bereich verlagert. Das zeigen auch die Daten zu den digitalen Abfragen in den Online-Katalogen und Datenbanken: 30,1 Millionen Abfragen in den Online-Katalogen im letzten Jahr stehen zu 24,7 Millionen Abfragen vor der Pandemie. „Man kann digital und analog nicht mehr trennen, es greift inzwischen ineinander. So wie sich auch die analoge und die digitale Bibliothek immer mehr vermischt. Beides ist wichtig“, so Mayr.