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Kaum neue Jobs: Starker Dämpfer am US-Arbeitsmarkt

(c) AP (Gregory Bull)

Die Zahl der Beschäftigten stieg laut Arbeitsministerium um lediglich 39.000. Analysten hatten mit 140.000 neuen Jobs gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg auf 9,8 Prozent.

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im November überraschend kaum gebessert. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um lediglich 39.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Analysten hatten indes mit 140.000 neuen Jobs gerechnet. Im öffentlichen Dienst bei den Kommunen fielen sogar Jobs weg. Zugleich revidierte das Ministerium die Daten für den vergangenen Monat nach oben. Die Arbeitslosenquote stieg im November auf 9,8 Prozent.

Die Entscheidung der US-Notenbank Fed von Anfang November, die Wirtschaft weiter zu stützen, wird damit bestätigt. Die Fed will bis Ende Juni 2011 um 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen.

Börsen auf Talfahrt

Am Markt wurde das mit Kursverlusten quittiert: Der deutsche DAX fiel um 0,4 Prozent auf 6926 Punkte, der Dollar gab nach, die US-Börsen eröffneten mit Verlusten. "Diese Daten deuten nicht notwendigerweise auf einen Wendepunkt hin, aber sie sind ein Beispiel dafür, wie holprig die Erholung werden wird", sagte Jeff Kleintop von LPL Financial in Boston. Auch andere Experten zeigten sich enttäuscht: Zuletzt hatte eine Reihe von Konjunkturdaten auf einen Aufschwung in den USA hingedeutet.

Auch die Wiener Börse ist am Freitagnachmittag nach den überraschend enttäuschenden Daten vom US-Arbeitsmarkt deutlich unter Druck gekommen. Der Leitindex ATX verlor bis 15 Uhr um 1,2 Prozent auf das bisherige Tagestief bei 2.732,00 Einheiten. Der Euro konnte vom schwachen Dollar profitieren und kletterte bis auf 1,3350 Dollar nach oben. Zuvor hatte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback in einer Seitwärtstendenz bei 1,3250 Dollar notiert.

Arbeitslosenquote steigt auf 9,8 Prozent

Die Arbeitslosenquote stieg auf 9,8 Prozent, zum Teil deswegen, weil sich angesichts gestiegener Konjunkturerwartungen wieder mehr Menschen auf Jobsuche machten, die sich zuletzt enttäuscht vom Arbeitsmarkt abgewendet haben. "Ich hatte damit gerechnet, dass die Arbeitslosenquote höher ausfällt, weil bei mehr Langzeitarbeitslosen der Optimismus wieder steigt", sagte Bernard Baumohl von The Economic Outlook Group.

Die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit war neben der geringen Inflation ein Grund für die Fed, die geldpolitischen Zügel im November weiter zu lockern und eine zweite Runde in ihrem Staatsanleihenkaufprogramm zu starten. Die Käufe zielen darauf ab, die ohnehin niedrigen Zinsen weiter nach unten zu drücken und so die Nachfrage anzukurbeln. Allerdings kommt nur ein Teil des Geldes in der US-Wirtschaft an: Kritiker werfen der Fed vor, mit ihrer ultralockeren Politik den Zufluss von spekulativem Geld in Schwellenländer zu schüren.

Weniger Aufträge für US-Industrie

Schlechte Nachrichten kommen auch von der US-Industrie. Die Auftragslage hat sich im Oktober verschlechtert. Die Bestellungen seien im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent gefallen nach einem nach oben revidierten Plus von drei Prozent im September, teilte das Handelsministerium in Washington am Freitag mit. Analysten hatten für Oktober mit einem Minus von einem Prozent gerechnet. Klammert man den Verkehrsbereich aus, fielen die Industrieorders um 0,2 Prozent. Ohne den Rüstungssektor gab es ein Minus von 4,3 Prozent.

(Ag.)