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Mein Freitag

Der Sänger, der durch viele Leben ging

Still alive.
REUTERS
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Guns N'Roses waren die Versicherung, dass die Pandemie vorbei ist.

Als die Aussicht auf Konzerte vor Publikum noch in unerreichbarer Ferne schien und die Lockdowns ineinander verschwammen, waren Guns N'Roses die erste Band, die für 2022 eine große Stadiontour ankündigte. Wenn Axl Rose auf der Bühne steht, dieser Mann, der durch mehrere Leben, Schönheitsoperationen und Stimmbrüche gegangen ist, dann sei auch Corona vorbei, war damals meine kühne Prognose.

Die Tickets waren also eine Art Anleihe beim ethisch korrekten (und nachhaltigen) Fonds Hoffnung. Teuer genug waren sie auch. Mit der Sehnsucht von Fans nach Konzerten dürften die Jahre 2022 und 2023 übrigens Rekordergebnisse einspielen: Wer noch eine Gitarre halten kann, tritt auf, und wer noch keinen Hörsturz gehabt hat, geht hin.

Nun, da der Auftritt von Axl Rose (13. Juli) Gegenwart wird, hat die Zukunft nicht gehalten, was sie versprochen hat. Die Pandemie ist nicht vorbei, nur die Fragen haben sich geändert: Bekommt man vor dem Konzert noch schnell Corona – oder fix danach? War es damals beim Kartenkauf so, dass man Corona keinesfalls erwischen wollte, so wirkt es derzeit so, als sollte man sich keinesfalls mit Corona erwischen lassen.

Es mag bitter sein, knapp vor etwas, worauf man sich gefreut hat, die Corona-Karte gezeigt zu bekommen. Wann hat man dennoch etwas davon, Verantwortung zu zeigen? Zumindest, wenn man jemanden trifft, der einem am Herzen liegt und wirklich nicht Corona bekommen sollte – für jene die einfachsten Regeln zu befolgen, auch wenn sie nicht verordnet wurden, wäre ein echter Liebesdienst.

An andere Regeln erinnert mich schließlich ein Kollege. „Wenn du so alt bist, dass du dich an Axl Rose erinnerst, als er jung war“, meint er, „dann brauchst du einen Sitzplatz.“


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