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Ferienwohnungen

Altes Bauernhaus ist immer gefragt

Serie, Teil II. Zweitwohnsitze im Wald- und Mühlviertel sind durchaus beliebt. Wer einen sucht, braucht allerdings ein wenig Geduld.

Der Norden Österreichs kann mit vielem punkten: mit grünen Wiesen, dichten Wäldern, Ruhe und – auch bei Hitzewellen wie der derzeitigen – noch relativ angenehmen Tagen und Nächten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich das Wald- und Mühlviertel bei Wienern und Linzern nicht nur als Ausflugsziel, sondern auch als Wochenend- und Ferienwohnsitz zunehmend großer Beliebtheit erfreuen. „Aktuell beobachten wir im Waldviertel eine verstärkte Nachfrage von ,Klimaflüchtlingen‘, Menschen, die es aus der Hitze der Großstadt in den angenehm kühlen Norden Niederösterreichs zieht“, sagt etwa Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Niederösterreich, Wien und Burgenland.

Neben der Lebensqualität gibt es einen weiteren Grund für diese Entwicklung: Zweitwohnsitze können hier noch problemlos begründet werden. „Mir ist keine Vorbehaltsgemeinde im Mühlviertel bekannt“, sagt Diether Raffelsberger von Engel & Völkers in Linz. Ein Thema sei allerdings immer wieder die Grundverkehrskommission. „Das gilt für Immobilien, bei denen viel Boden dabei ist“, erklärt der Makler. Der Erwerb derselben könne dann beispielsweise mit Auflagen, wie dem Besuch eines Wald- oder Grünlandkurses, um diese Flächen entsprechend bewirtschaften zu können, verbunden sein. Ein echtes Hindernis würde eine solche Weiterbildung aber im Normalfall kaum darstellen.

 

Zurückhaltende Verkäufer

Wer in Mühl- und Waldviertel allerdings noch keinen Zweitwohnsitz sein Eigen nennt, hat es derzeit ohnehin schwer, einen solchen zu finden. „Die Nachfrage nach Wochenendhäusern ist da, aber es gibt kaum ein Angebot“, erzählt Gabriele Hentschläger von S Real Freistadt. Denn viele Eigentümer würden angesichts der hohen Inflation und mangelnder Anlagemöglichkeiten Häuser, selbst wenn diese leer stehen, lieber behalten. „Und wenn sich doch jemand davon trennt, geht vieles gleich unter der Hand weg“, weiß die Maklerin, der zufolge die Pandemie die Nachfrage noch einmal befeuert habe.

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Gleiches gelte für die Preise: Man müsse selbst für ein renovierungsbedürftiges Sacherl – der Begriff für ein kleines (ehemaliges) landwirtschaftliches Gut, oft mit Garten und Stadl – mit einem Kaufpreis von 200.000 Euro rechnen“, gibt Raffelsberger ein Beispiel. „Im Prinzip wird eigentlich alles bezahlt. Es gibt kaum einen Immobilienverkauf, bei dem sich nicht zwei Interessenten nach oben gesteigert haben“, berichtet Hentschläger vom aktuellen Marktgeschehen. Auf der Weinviertel-Wunschliste ganz oben stehen den Maklern zufolge insbesondere alleinstehende Sacherln und Häuser. Aber auch Grundstücke sind gefragt. „Allerdings sind keine da – oder nur zu unglaublichen Preisen“, weiß Hentschläger.

Ein Grundstück mit Altbestand zu erwerben, um diesen abzureißen und dann ein Haus neu zu bauen, sei jedoch für potenzielle Zweitwohnsitzer kaum eine Alternative. „Das machen eher Interessenten, die ihren Lebensmittelpunkt endgültig ins Mühlviertel verlegen wollen“, berichtet die Maklerin.

 

Günstige Grundstücke ...

Das gilt auch im Waldviertel. Und zwar aus zweierlei Gründen: „Wer einen Zweitwohnsitz sucht, will gleich das Perfekte haben und sich keine Baustelle kaufen. Daher sind auch sanierungsbedürftige Objekte nicht gefragt“, weiß Weinberger. Der Traum der meisten sei eine gebrauchte, sanierte Immobilie – im Idealfall ein altes Bauernhaus. „Aber diese Träume sind derzeit kaum erfüllbar“, erklärt Weinberger.

Gleichzeitig seien unbebaute Baugründe in der Region trotz starker Preissteigerungen noch immer relativ günstig: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis dafür ist im Vorjahr um zehn Prozent von 19,70 auf 21,7 Euro gestiegen. Damit liegt die Teuerung unter dem Niederösterreich-Schnitt von 14 Prozent. Allerdings haben die Grundstückspreise im Waldviertel im ersten Quartal 2022 Raiffeisen Immobilien zufolge weiter angezogen und sind auf 33,80 Euro pro Quadratmeter gestiegen, womit sie aber vom Landesschnitt in dieser Objektkategorie (90,90 Euro/Quadratmeter) immer noch weit entfernt sind.

 

... teure Einfamilienhäuser

Deutlich über dem Landesschnitt ist allerdings der Preisanstieg bei den durchschnittlichen Quadratmeterpreisen für ein Einfamilienhaus im Waldviertel: Diese haben demnach von 2020 auf 2021 um 34 Prozent zugelegt und sind von 1914 auf 2577 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Im Niederösterreich-Durchschnitt betrugen die Preissteigerungen bei Einfamilienhäusern hingegen nur zehn Prozent.

Der Markt sei generell ausgetrocknet, gebrauchte Immobilien in gutem Zustand seien nur schwer zu bekommen. „Und wenn, dann sind sie nicht lang auf dem Markt“, sagt Weinberger, der für die Zukunft für das Waldviertel mit einer weiterhin positiven Entwicklung rechnet, wenn sich auch die Preissteigerungsraten mittelfristig auf niedrigerem Niveau einpendeln sollten.

AUF EINEN BLICK

Große Nachfrage, wenig Angebot: Auch im Mühl- und Waldviertel sind Schnäppchen kaum mehr zu finden – außer sehr renovierungsbedürftigen Häusern oder Baugrundstücken, um selbst darauf etwas Neues hinzustellen. Beides sei aber, so Experten, eher für Personen interessant, die gänzlich umsiedeln wollen und nicht nur den Urlaub auf dem Land genießen wollen. Ein Grund: Viele Eigentümer möchten angesichts der hohen Inflation und mangelnder Anlagemöglichkeiten Häuser, selbst wenn diese leer stehen, lieber behalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2022)