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Mein Dienstag

Der Inspirator

Eine Szene aus „Swimming Pool“ (mit Ludivine Sagnier), dem vielleicht besten Film von François Ozon.Polyfilm
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Produktive, rastlose Leute haben mich schon immer fasziniert. Egal, in welcher Branche sie tätig sind.

François Ozon, ein Meister seines Fachs, bringt seit 1999 beinahe jedes Jahr einen Film heraus. Für derart aufwendige Produktionen mit weltweitem Kinostart ist das höchst ungewöhnlich. Eine Art Antithese zu ihm ist Michael Mann, ebenfalls eine Regie-Ikone. Er dreht alle drei bis vier Jahre einen Film.

Beide sind üblicherweise auch am Drehbuch ihrer Streifen beteiligt, was besonders bewundernswert ist. Denn die Geschichten anderer Leute zu inszenieren ist fast so, als würde ein Journalist fremde Recherchen verarbeiten. Das wäre nichts für mich. So, wie es auch nichts für mich wäre, nur alle paar Tage einen Artikel zu schreiben.

Und Typen wie Ozon bestärken mich darin. Nicht weniger als 21 Filme hat er in den vergangenen 23 Jahren veröffentlicht. Bei Mann waren es im selben Zeitraum sechs – allesamt zeitlose Meisterwerke wie etwa „Heat“, „Insider“ und „Collateral“, bis auf einen, den letzten: „Blackhat“. Was für eine Enttäuschung. Eine schlechtere Quote hat auch Ozon nicht. Auf fünf geniale Filme wie „8 Frauen“, „Swimming Pool“, „Fünf mal zwei“, „Die Zeit, die bleibt“ und „Das Schmuckstück“ folgt ein schwächerer wie „Alles ist gutgegangen“.

Meine persönliche Erkenntnis daraus: Lieber habe ich mehr Output und somit auch mehr missglückten Output, dafür sind aber auch die gelungenen Ergebnisse zahlreicher. Ist es das nicht wert? Vor allem dann, wenn man das, was man macht, aus Überzeugung macht, und nicht aus Mangel an Alternativen?

Bei Ozon ist ganz offensichtlich genau das seine Triebfeder: die Faszination für das Erzählen von Geschichten. Er reizt seine Möglichkeiten vollständig aus, denn mehr als ein Film pro Jahr ist allein schon technisch nicht möglich, wenn für Skript, Dreharbeiten, Postproduktion und Vermarktung jeweils ein Quartal einkalkuliert wird.

Ozon ist also seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen mit der Herstellung eines Films beschäftigt. Für mich steht er damit für die reinste Form von Leidenschaft und ist der Inspirator schlechthin.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com