Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Buch

Die Menschheit in der Horizontalen: Ein Bettgeflüster

Mythologische Bettszene: Die Frau des Kandaules entdeckt den versteckten Gyges. Gemälde von Eglon van der Neer (um 1660).
Mythologische Bettszene: Die Frau des Kandaules entdeckt den versteckten Gyges. Gemälde von Eglon van der Neer (um 1660).akg-images / picturedesk.com
  • Drucken

Eine Kulturgeschichte über das Bett ist eine unterhaltsame Sache, geht es doch nicht nur um Schlaf und Sex, sondern um viele weitere Rituale. Im Bett wird gezeugt, geboren und gestorben, von hier aus wurde auch Macht gezeigt und regiert.

Dass Empfängnis und Tod sich im Bett abspielen, dass wir darin etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen, ist eine historische Konstante. Die übrigen zahllosen Möglichkeiten, sich in der Horizontalen die Zeit zu vertreiben, wechseln jedoch je nach geschichtlicher Epoche. Die Gegenwart hat da vergleichsweise wenig zu bieten, unsere Vorfahren wussten mehr mit dem Schlafzimmer anzufangen. Es ist heute ein der Privatsphäre vorbehaltenes Refugium, war aber früher eine Bühne zur Selbstdarstellung, eine Kulisse für das Theater des Lebens, für jedermann sichtbar, ein beliebtes Thema für künstlerische Darstellungen und nicht ein Ort, der in feiner Gesellschaft weder diskutiert noch hergezeigt wird.

Man kann also fesselnde Geschichten über das häufig vernachlässigte Artefakt „Bett“ erzählen. Ein neues Buch schlägt hier die Decke zurück, und es eröffnet sich eine Vielzahl von Anekdoten über den wenig erforschten Ort und alles, was dort geschah. Man unterhält sich gut bei der Lektüre von „Was im Bett geschah“ von Nadia Durrani und Brian Fagan, zwei Archäologen, die wild herumspringen zwischen Themen und Epochen und ihre Faszination für die „grundlegendste Erfindung des Menschen“ nicht verbergen. Sie beginnen mit den Nestern, die sich unsere Urahnen hoch in den Bäumen bauten wie heute noch die Schimpansen und enden bei Betten mit USB-Anschlüssen und anderen technischen Finessen.

Kälteschutz. Rein was die Form betrifft, hat sich bei der menschlichen Schlafstatt in den letzten 5000 Jahren wenig geändert: Sie ist grundsätzlich rechteckig. Aber schon, dass das Bett sich vom Boden auf eine höhere Ebene erhob, war ein Zeichen von Zivilisation. Die urgermanische Wurzel des Wortes „Bett“ bezeichnet eine „in den Boden gegrabene Lagerstätte“, wo man sich als Schutz vor der Kälte mit Fellen bedeckte und eng beieinander ausruhte, viele Stunden in der kalten Jahreszeit, möglicherweise mit angezogenen Beinen, damit der Körper nicht auskühlte.

Bettgenossenschaft. Ganze Familien oder Clans rückten so zusammen, die Bettgenossenschaft gab Geborgenheit, und einer war immer dabei, der etwas zu erzählen hatte in den rauen Winternächten. Sorgte der enge Körperkontakt Nacht für Nacht an der gemeinsam genutzten Schlafstelle für gewohnheitsmäßigen Sex mit denselben Menschen und damit zur Paarbindung?