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Programm

In Alpbach reden endlich alle mit

Die neue Struktur macht es möglich: Stipendiaten treffen auf Notenbankchefs, Künstler auf Manager, Forscher auf Praktiker – und das Publikum landet im „Lab“.

Nicht mehr in Silos denken: Das ist die Idee hinter der neuen Struktur beim Forum Alpbach. Bisher debattierten die Manager, Juristen und Politiker in gesonderten Gesprächsreihen unter sich, in ihrem je eigenen Fachjargon. Von nun an werden sie aufeinander losgelassen (nur die Technologiegespräche sind geblieben). Denn, so der Gedanke weiter: Nur aus allen Perspektiven beleuchtet lassen sich die Probleme lösen, die hinter den vier Leitthemen des heurigen Forums stehen – Klima, Sicherheit, Finanzen und Demokratie.

Nicht fehlen dürfen dabei auch die jungen Menschen, die als Stipendiaten von Universitäten aus aller Welt in das Tiroler Bergdorf kommen. Bisher haben sie in einer „Seminarwoche“ vorab und fein säuberlich getrennt von den Entscheidungsträgern eine Welt von morgen entworfen, wie auf einem intellektuellen Spielplatz. Auch das läuft ab heuer anders: Die nun „Alpbach Seminars“ genannte Reihe ist verwoben mit dem Hauptprogramm und läuft zeitlich parallel. So will man den Dialog zwischen den Generationen, aber auch den Austausch von Wissenschaftlern und Praktikern noch stärker fördern als bisher. Erstaunlich breit zeigt sich auch das Themenspektrum der vormittäglichen Seminare, die jeweils von zwei bis acht Experten geleitet werden.

Wo Teufelsmasken entgrenzen

Da gibt es zwar handfeste Fragestellungen, die in diesem Rahmen erwartbar sind: Kann Europa seinen technologischen Rückstand gegenüber den Vereinigten Staaten aufholen? Wie wirkt sich der Personalmangel auf die Gesundheitssysteme aus? Und wie lässt sich die finanzielle Bildung in der breiten Bevölkerung verbessern?

Aber es mischen sich auch Themen hinein, die man eher in Feuilletons oder Philosophenzirkeln vermuten würde: Wie frei ist die freie Rede noch in Zeiten der Cancel Culture? Sind Menschenrechte universell gültig? Und ist Charakter wirklich Schicksal, wie Heraklit angeblich gesagt hat?
Dazu gesellen sich Formate, wo nicht geredet, sondern gehandelt wird: Führungskräfte und solche, die es werden wollen, üben ihre Fähigkeit zur Empathie, um die Gräben bei polarisierenden Themen zu überbrücken. Ein Schauspielkurs soll Zusammenarbeit in der Demokratie lehren. Und durch das Tragen von Teufelsmasken wird eine Form der Entgrenzung gesucht. Klingt doch spannend.

An den Nachmittagen werden die Stipendiaten zum Teil des Hauptprogramms. Der Höhepunkt: Am 30.8. konfrontieren fünf von ihnen ebenso viele Notenbankchefs mit Fragen darüber, wie sie denn gedenken, endlich die Inflation in den Griff zu bekommen.

Zum großen Chor schwellen die Soli und Ensembles des Forums in der zweiten Woche an: In der „Lab Week“ ab Montag stellen die Besucher nicht nur Fragen an Diskutanten am Podium, sondern sie wirken mit. Nur mithilfe aller lassen sich Probleme lösen – das wird in Alpbach mutig und konsequent zu Ende gedacht. (gau)