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Franzensgasse 16

Wie wohnte die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky?

Ab 21. September 2022 kann die Wohnung der Architekturpionierin und Erfinderin der Frankfurter Küche besichtigt werden.

Ab 21. September 2022 ist die Wohnung der Wiener Architekturpionierin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) im 5. Bezirk zu besichtigen. Die rund 55 Quadratmeter große Wohnung mit Dachgarten in der Franzensgasse 16 in Wien Margareten, in der die Architektin ihre letzten 30 Lebensjahre verbrachte, wurde nun weitgehend in ihren Original-Zustand versetzt. Die Grundlage dafür boten die Unterschutzstellung der Räumlichkeiten durch das Bundesdenkmalamt im April 2021.InlineBild (33832b6a)

„Die Wohnung spiegelt mit ihrer ökonomischen Raumstruktur die politische Weltanschauung der bedeutendsten Architektin Österreichs wider. Daher besitzt die Wohnung an sich einen enormen Seltenheitswert und ist als Architektinnen-Wohnung einzigartig in Österreich“, sagt das Bundesdenkmalamt. „Wir schaffen neben der musealen Aufbereitung der Wohnung einen Ort der Forschung, der allgemein zugänglich ist,“ so Architektin Christine Zwingl vom Margarete Schütte-Lihotzky Club (MSL Club).

MAK AUSTELLUNG
Archivaufnahme: Nachbau der Frankfurter Küche im MAK.Gerald Zugmann/MAK

Mit der Renovierung und Rekonstruktion der Ausstattung, bei der das Bundesdenkmalamt und die Stadt Wien unterstützten, wurde versucht, die Atmosphäre von damals einzufangen. Die Architektin Renate Allmayer-Beck, ebenfalls vom MSL Club, beschreibt die Stimmung: „Gleich beim Betreten der Wohnung taucht für uns das Gefühl auf, in die 1980er Jahre zurückversetzt zu werden, als Margarete Schütte-Lihotzky hier noch lebte.“

Schlafkoje mit kirgisischem Wandbehang.(c) bettina frenzel

Die Schräge in der Schlafkoje mit dem kirgisischen Wandbehang, restauriert von Kunstsammlung und Archiv der Universität für angewandte Kunst, die originalgetreuen Leuchten und die Möbelnachbauten und Einzelstücke aus ihrem Nachlass verleihen den Räumen Authentizität. Der Dachgarten war für Schütte-Lihotzky ein besonders wichtiger Ort, wo sie ihre Naturverbundenheit mit ihrem urbanen Lebensstil in Einklang brachte. Dieser Außenraum wird nun mit originalgetreuen, neu gefertigten Markisen sowie Sträuchern und Blumen belebt.

Badezimmer mit Wanne und Waschbecken.(c) bettina frenzel

Der Besuch des neuen MSL Zentrums soll ermöglichen, „die Qualität der Räume und ihrer Ausstattung als Gesamterlebnis zu spüren,“ sagt Christine Zwingl über die Konzeptidee. Der Ort erinnert aber auch daran, dass neben Schütte-Lihotzky viele weitere Architektinnen seit rund 100 Jahren in dem Beruf tätig sind. Mehr Infos zum Forschungsprojekt: www.architekturpionierinnen.at

 

Zur Person

Die Wienerin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) war die erste Architekturstudentin an der Kunstgewerbeschule und musste gegen Bedenken ankämpfen, dass sich „kein Mensch von einer Frau bauen lassen wird“.  Sie machte sich für die aus der Wohnungsnot entstandene Siedlerbewegung stark, arbeitete an Gemeindebauten, entwarf Möbel, später auch Schulen und Kindergärten. Bereits Ende der 1920er Jahre konzipierte sie Wohnungen für alleinstehende, berufstätige Frauen. Besonders bekannt wurde sie in diesem Zusammenhang mit der funktionalen „Frankfurter Küche“, der Vorform der Einbauküche. Ihre fortschrittlichen Wohnkonzepte entwickelte Schütte-Lihotzky in den 1950er und 1960er Jahren weiter und ließ sie auch in ihre eigene Wohnung einfließen.