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Kunstwerte

Der Kunstmarkt zeigt sich krisensicher

Der Kunstmarkt hat sich auch im ersten Halbjahr 2022 als krisensicher gezeigt. Sehr gefragt ist junge Kunst, NFTs dagegen durchlaufen eine Konsolidierungsphase.

Der Herbst zieht ins Land und mit ihm die Analysen zum Kunstmarkt im ersten Halbjahr. Und einmal mehr hat sich gezeigt, dass Kunst krisensicher ist. Nach der Coronapandemie konnte auch die Ukraine-Krise dem Markt nichts anhaben. Der von der Kunstpreisdatenbank Artprice erstellte Halbjahresbericht 2022 beziffert den weltweiten Auktionsumsatz mit 7,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 8,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021. New York blieb auch heuer mit 3,3 Milliarden Dollar der weltweit führende Marktplatz vor London und Hongkong. Eine wachsende Bedeutung als Handelsplatz erfährt Paris. Neben der stärkeren Präsenz von Christie's und Sotheby's verzeichneten auch mehrere Pariser Auktionshäuser außergewöhnlich gute Ergebnisse. So verbuchte der Marktführer Artcurial von Jänner bis Juni ein Umsatzplus von 42 Prozent.

Paris zieht derzeit eine wachsende Zahl großer, internationaler Galerien an, wie David Zwirner, Gagosian oder Continua. Neu dazukommen wird heuer noch die Galerie Hauser & Wirth und das Auktionshaus Phillips wird ebenfalls Auktionsräumlichkeiten eröffnen. Konkurrent Bonhams hat gleich das französische Haus Cornette de Saint-Cyr erworben. Und nicht zuletzt wird die Art Basel von nun an offizieller Veranstalter der internationalen Herbstkunstmesse Paris+ im Grand Palais sein und damit die FIAC ablösen.

Boom bei junger Kunst. Ein Trend, der sich heuer fortgesetzt hat, ist der Run auf ganz junge Kunst, oder wie es auf dem Kunstmarkt heißt „Ultra Contemporary Art“. Die Dynamik bei Künstlern unter 40 Jahren, wie Matthew Wong, Avery Singer oder Refik Anadol, um nur drei Beispiele zu nennen, ist enorm. Die Preissprünge, die bei Auktionen erzielt werden, sind atemberaubend. Matthew Wong etwa, der sich 2019 im Alter von nur 35 Jahren das Leben genommen hat, gab sein Auktionsdebüt im Mai 2020 mit einem Zuschlag von 50.000 Dollar. Am 19. Mai 2022 wurde sein Werk „Night Watcher“ bei Christie's für 5,9 Millionen Dollar verkauft.

Ob das nachhaltige Entwicklungen sind, wird sich erst weisen. Einen ähnlichen Enthusiasmus entwickelte der Kunstmarkt im Vorjahr für NFTs. Doch auf den kurzen Hype folgte die Ernüchterung. Das ist auch dem Absturz der Kryptowährungen geschuldet, in denen NFTs gehandelt werden. Heuer sind im ersten Halbjahr laut Artprice 65 Prozent der versteigerten NFTs zu durchschnittlich 47.000 Dollar verkauft worden. Im zweiten Halbjahr 2021 erzielten noch 86 Prozent der NFTs im Schnitt 520.000 Dollar. Eine Erholung ist momentan nicht absehbar.

eva.komarek@diepresse.com

www.diepresse.com/kunstwerte

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2022)