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Israel

Ist das der Beginn einer neuen Terrorwelle?

Mourners attend the funeral of Shechopek who was killed in a suspected Palestinian bomb attack in Jerusalem
Trauerfeier für den 16jährigen Schüler, der bei einem Bombenanschlag in Jerusalem ums Leben gekommen ist.REUTERS
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Die palästinensische Hamas preist den tödlichen Doppelanschlag mit Nagelbomben an Bushaltestellen in Jerusalem als „heldenhafte Operation“.

Die Attentäter wussten, was sie taten. An einer belebten Bushaltestelle im Westen Jerusalems explodierte am frühen Mittwochmorgen ein Sprengsatz. Nur Minuten später ging eine zweite Bombe im Norden der Stadt hoch – Aufnahmen von den Tatorten zeigen dunkle Blutlachen auf dem Bürgersteig, umgeben von Trümmern. Mindestens 20 Menschen wurden verletzt, ein 16-jähriger Schüler kam ums Leben. Berichten und Fotos vom Tatort zufolge enthielten die Sprengsätze Nägel und Schrauben, um maximalen Schaden zu verursachen. Wer dahintersteckt, stand zunächst nicht fest.
Attentate von dieser Größenordnung hat Israel seit Jahren nicht gesehen. Zwar wurde das Land im Frühling von einer Anschlagswelle erschüttert, doch gingen die Täter dabei eher primitiv vor: Sie schossen auf der Straße um sich, attackierten Passanten mit Messern oder versuchten, sie mit dem Auto zu überfahren. In diesem Fall aber bauten die Attentäter Sprengkörper, bewiesen Ortskenntnis, indem sie die Bomben an belebten Plätzen ablegten, und zündeten sie offenbar mittels ihrer Mobiltelefone aus der Ferne. Es müsse sich um „eine organisierte Gruppe“ handeln, folgerte die Leiterin der Einsatzabteilung der israelischen Polizei, Sigal Bar Zvi.
Die Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert und von westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird, pries die Anschläge als „heldenhafte Operation“ und nannte sie „ein Resultat der anhaltenden Verbrechen der Besatzung“. Auch der Palästinensische Islamische Jihad, eine weitere Terrororganisation, lobte den Anschlag.

Schmerzhafte Erinnerungen geweckt

Die Bilder der Tatorte wecken bei vielen Israelis schmerzhafte Erinnerungen an die Zweite Intifada zu Anfang des Jahrtausends, als etliche palästinensische Selbstmordattentäter sich in Bussen, Cafés und Pizzerien in die Luft sprengten. Israelische Analysten halten den Vergleich jedoch für überzogen. „Das hier ist nicht wie die Zweite Intifada, als wir es mit massiven Selbstmordattentaten zu tun hatten“, meint etwa der Sicherheitsexperte Avi Melamed, der den damaligen Bürgermeister Jerusalems während der Intifada beriet.
Dennoch bedeutet das Doppelattentat eine deutliche Eskalationsstufe in einer Phase ohnehin erhöhter Spannungen. Seit der Terrorwelle im Frühjahr führt Israels Armee regelmäßig Razzien im Westjordanland durch, um Verdächtige zu verhaften und Waffen zu konfiszieren. Dabei kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die nicht selten blutig enden: Mindestens 140 Palästinenser wurden nach palästinensischen Angaben in diesem Jahr bereits getötet.