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Smarte Geräte

Matter: Wenn alle dieselbe IoT-Sprache sprechen

Eine App wird zur Steuerzentrale der smarten Mitbewohner.
Eine App wird zur Steuerzentrale der smarten Mitbewohner.IMAGO
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Vom Kauderwelsch zu einer gemeinsamen Sprache: Smarte Geräte werden künftig einander verstehen, als wären sie vom selben Hersteller. Es war auch höchst an der Zeit.

Es ist der Turmbau zu Babel der Neuzeit: Smarte Geräte sind en masse verfügbar. Lampen, Heizkörper, Haustüren und Haushaltshelfer lassen sich über das Internet ansteuern. Die Fernbedienung ist das Smartphone. Das Problem: Sie sprechen nicht dieselbe Sprache. Da kann zwar die Lampe mit Apples App „HomeKit“ oder Samsungs Variante „Smart Things“ kommunizieren, der smarte Amazon-Alexa-Lautsprecher hingen bleibt stumm. Doch damit ist es jetzt vorbei. Getreu dem Motto: Alle für einen und einer für alle.

Die Großen und Kleinen der Tech-Welt haben sich zusammengeschlossen zur Connectivity Standards Alliance (CSA) und haben sich auf einen gemeinsamen Standard geeinigt. Künftig sprechen die smarten Geräte von 180 Herstellern, darunter auch Apple, Google, Philips, Ikea und Amazon, dieselbe Sprache, sodass sich diese alle über eine App steuern lassen. Wer sich also künftig ein Smart-Home-Gerät kauft, muss sich keine Gedanken mehr über die Verständigungsschwierigkeiten zwischen den verschiedenen Funktionen und Diensten machen. Es steht die Funktionalität und nicht die Kompatibilität im Vordergrund.

Wie funktioniert Matter? Matter ist die Weiterentwicklung von ZigBee. Philips-Hue-Nutzern wird dieses Funk-Protokoll bekannt sein. Der Standard beschäftigt sich damit, dass smarte Geräte ein Mesh-Netzwerk, also ein Maschennetz, aufbauen und darüber miteinander kommunizieren. Insgesamt stehen vier Übertragungsarten zur Verfügung: WLAN, Ethernet/LAN-Kabel, Thread oder Bluetooth. Wobei Letzteres nur für die Einrichtung benötigt wird. Je nachdem, wie viele Daten ein Gerät sendet, werden die unterschiedlichen Arten genutzt. Bei Überwachungskameras wird bei Matter zum Beispiel eher WLAN oder LAN genutzt, bei Leuchtmitteln, die wenig Bandbreite benötigen, wird auf Thread gesetzt. Das macht den neuen Standard gegenüber bisherigen Ansätzen auch deutlich stromsparender. Hinzu kommt, dass mit Matter nicht immer eine Internetverbindung zwingend notwendig ist. Somit muss ein Befehl wie „Licht einschalten“ nicht erst über das Internet wandern, bis er bei der Lampe ankommt. Das hat den netten Nebeneffekt schnellerer Reaktionszeiten.

Das bedeutet aber nicht, dass sie nur noch offline funktionieren. Zudem brauchen die Geräte weiterhin Updates, vor allem hinsichtlich der Sicherheit. Apropos: Das ist eines der zentralen Anliegen der CSA. Nicht jeder Hersteller kann sich einfach das Matter-Logo auf die Fahnen heften. Dafür braucht es eine Zertifizierung. Voraussetzung dafür ist, dass die Verbindung über einen Public Key funktioniert und eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat. Denn smarte Geräte sind für ihre Angreifbarkeit bekannt. Wohl auch, weil viele Nutzer die voreingestellten Passwörter nicht ändern.

Wann geht's los? Offiziell gestartet ist Matter am 1. Oktober dieses Jahres. Bis aber tatsächlich das Angebot ausreichend groß ist, werden wohl noch einige Monate vergehen. Die gute Nachricht: Einige Hersteller haben angekündigt, ihre Geräte per Update nachträglich kompatibel zu machen. Das wird wohl noch einige Monate dauern. Durch die Pandemie ist der Zeitplan gehörig durcheinandergeraten und man ist nun knapp ein Jahr hinterher.

Abschließend muss dazu gesagt werden, dass wohl auch zu Beginn noch mit einigen Kinderkrankheiten zu rechnen ist. Aber für ein smartes Zuhause wurde nun ein entscheidender Grundstein gelegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2022)