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700 Behinderte bis Kriegsende aus Tirol verschleppt

Erste Ausstellung zur Wirkung Hitlers
(c) dapd (Michael Gottschalk)
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3000 Menschen wurden bis 1945 wegen angeblich vererbbarer Krankheiten in Tirol und Vorarlberg angezeigt.

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das "Dritte Reich" wurden die Gesetze der Nationalsozialisten gegen körperliche und geistige Behinderte auch in Österreich umgesetzt. Insgesamt seien mindestens 706 Erwachsene und Kinder aus dem "Reichsgau Tirol-Vorarlberg", meist ohne das Wissen ihrer Angehörigen, verschleppt worden. Im Zeitraum von 1940 bis 1945 wurden mindestens 400 Zwangssterilisationen in Tirol und Vorarlberg durchgeführt, erhoben Wissenschafter der Universität Innsbruck.

In einer Arbeit zu dem Thema "Zwangssterilisation und 'NS-Euthanasie` in Tirol, Südtirol und Vorarlberg" erklären die Historiker, dass bis 1945 mindestens 3.000 Vorarlberger, Nord- und Südtiroler wegen einer angeblich vererbbaren Krankheit angezeigt worden seien. Für den "Reichsgau Tirol-Vorarlberg" waren "Erbgesundheitsgerichte" in Innsbruck und Feldkirch zuständig. Die Ärzte und das Pflegepersonal waren gesetzlich verpflichtet, Behinderte diesen Ämtern zu melden. Überdurchschnittlich viele Anzeigen kamen aus den Landkreisen Kufstein, Schwaz und Bregenz.

Die Angezeigten seien entweder in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht oder gegen ihren Willen zeugungsunfähig gemacht worden. Die in die Anstalten Eingewiesenen seien häufig weiter nach Hartheim in Oberösterreich transportiert und dort umgebracht worden. Über ihr Schicksal habe eine Stelle in Berlin entschieden. Dafür hätten sie Meldebögen über die Insassen von den Anstalten gefordert.

Es habe zwei große Heil- und Pflegeanstalten in Hall in Tirol und Valduna in Vorarlberg und eine Reihe kleiner Alters- und Pflegeheime (St. Josefsinstitut in Mils, Mariathal bei Kramsach und andere) gegeben. Es sei auch eine Tötungsanstalt in Hall geplant gewesen, aber nicht umgesetzt worden. "Es hat Pläne für ein Euthanasie-Programm mit Giftspritzen für Hall gegeben, diese wurden aber damals von der NS-Führung abgelehnt", bestätigte auch der Historiker Horst Schreiber am Montag gegenüber dem ORF Tirol. Es bestehe aber seit einigen Jahren der Verdacht, dass man während der NS-Zeit Hunderte Menschen in Hall habe verhungern lassen. Die Klärung der Todesursache sei nun Aufgabe der Gerichtsmediziner, sagte Scheiber.

Der erste Transport von Hall nach Hartheim erfolgte am 10. Dezember 1940, der letzte ging am 31. August 1942 von Tirol ab, ein Jahr nach dem offiziellen Verbot der "NS-Euthanasie", erklärten die Historiker der Universität Innsbruck. Nach dem Krieg hätten sich auch Tiroler Ärzte für ihre Taten verantworten müssen, es sei aber nur der Leiter des "Amtes für Volkspflege", Hans Czermak, verurteilt worden.

(APA)