Gastkommentar

Worauf wir warten? Auf bessere Ideen!

Replik auf R. Holzmann. Dem Vorschlag des Notenbank-Gouverneurs haftet eine gewisse Widersprüchlichkeit an.

Der Autor:

Helmut Dorn (* 1941), Doktorat an der Welthandel. Experte für Finanz-, Budget- und Währungsfragen im Generalsekretariat der WKO, u. a. GF der Innovationsagentur.

Der Vorschlag von Notenbank-Gouverneur Robert Holzmann zur Gründung eines österreichischen Wagniskapitalfonds ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Erstens belebt der Vorschlag einen alten österreichischen Mythos, dass in Österreich eine „Lücke in der Verfügbarkeit von längerfristig orientiertem inländischem Eigenkapital für Unternehmen, die nach einer erfolgreichen Start-up-Phase weiter expandieren wollen“ bestehe. Dabei wird übersehen, dass schon vor dem EU-Beitritt Österreichs hierzulande eine Reihe von regionalen und nationalen Beteiligungsgesellschaften unter Beteiligung staatlicher Institutionen, von Bundesländern und Banken tätig war. Als Vorbild kann die Unternehmens Invest AG (UIAG) dienen, die 1990 von der Creditanstalt-Gruppe und Investkredit AG gegründet worden ist und langfristiges Wagniskapital in Form von Minderheitsbeteiligungen für expansive Unternehmensentwicklungen mit partnerschaftlicher Beratung zur Verfügung stellt. (Mehr dazu in: Wilfried Stadler: „Beteiligungsfinanzierung – Neues Chancenkapital für Unternehmen“, 1999.)

Seit dem Beitritt zur EU haben sich in Österreich weitere Venturekapitalgesellschaften etabliert, die auch international vernetzt sind und zumindest so professionell arbeiten wie der von Gouverneur Holzmann als Vorbild gepriesene britische Wachstumskapitalfonds BGF.

Dieser wurde 2011 auf Anregung des Finanzministers und mehrerer Großbanken in Großbritannien gegründet. Allein die bisherige Bilanz des BGF mit einer Summe von 2,5 Milliarden GBP und 500 unterstützten Unternehmen in UK und Irland ist im Vergleich zu den österreichischen Beteiligungs- und Venturekapitalgesellschaften keine besondere Erfolgsgeschichte. Umso mehr, wenn ein Größenvergleich zwischen dem achtmal so großen britischen Wirtschaftsraum und Österreich gezogen wird. Auch die von Holzmann betonten Erfolgskriterien des britischen BGF, wie „strukturierte Vorauswahl unter den Wachstumsunternehmen, (...) die Governance-Struktur des BGF, (...) langfristiger Minderheitsaktionär“, sind den österreichischen Wagniskapitalgebern nicht unbekannt, sondern gelebte Praxis.

Der Erfolg des BGF wäre laut Gouverneur Holzmann auch darauf zurückzuführen, dass für die finanzierenden Banken eine Beteiligung am BGF attraktiv ist, weil sie für dieses Risikokapital weniger Eigenmittel unterlegen müssen. Das heißt, dass die Banken für riskante Finanzierungen weniger Eigenkapital reservieren müssen. Der aktuelle Fall der Silicon Valley Bank zeigt, welche fatalen Auswirkungen eine solche Politik haben kann.

Sorge um die Stabilität?

Zweitens haftet dem Vorschlag von Holzmann neben dem Mythos auch eine gewisse Widersprüchlichkeit an. Mit seinem Vorschlag zur Errichtung eines Wagniskapitalfonds ermuntert er die österreichischen Banken, risikoreichere Finanzierungen als Wagniskapitalgeber zu tätigen. Zur selben Zeit macht sich die Nationalbank Sorgen um die Finanzmarktstabilität in Österreich. Und die Finanzmarktaufsicht, an der die Nationalbank nicht ganz unbeteiligt ist, verschärft seit Kurzem die Kreditvergabevorschriften für Immobilienkredite (und erschwert somit u. a. die Eigenheim-Finanzierungen von jungen Leuten), die als Hypothekarkredite üblicherweise ein geringeres Finanzierungsrisiko darstellen als die Wagnisfinanzierungen.

Holzmann endet in seinem Text mit der Frage: Worauf warten wir noch? Die einfache Antwort lautet: auf bessere Ideen!

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2023)

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