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Japan wird „abgestraft“

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(c) EPA (Franck Robichon)
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Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit Japans herab. Der japanische Yen stürzte zum Euro ab. Das lässt vor allem jene heimischen Kreditnehmer aufatmen, die noch ein Yen-Darlehen laufen haben.

Wien/Red. Japan bekommt die steigende Staatsverschuldung nun in Form eines schlechteren Ratings zu spüren. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte Japans Kreditwürdigkeit herab.

Auch wenn die Ratingagenturen in der Vergangenheit hauptsächlich mit verblüffenden Fehlbewertungen auffielen – sie haben noch immer die Macht, kurzfristige Kursbewegungen auszulösen. So stürzte der japanische Yen zum Euro bis zum Nachmittag deutlich ab. Seit Anfang Jänner legte die europäische Gemeinschaftswährung zum Yen um sechs Prozent zu. Das lässt vor allem jene heimischen Kreditnehmer aufatmen, die noch ein Yen-Darlehen laufen haben. Steigt der Euro zum Yen, reduziert sich nämlich die (Buch-)Kreditschuld.

 

180 Prozent Staatsverschuldung

Analysten erwarten nun, dass der Euro in den nächsten Wochen weiter zulegen könnte – da die Lage für Japan nicht gut ausschaut. Standard & Poor's kritisiert, dass die japanische Regierung keine klare Strategie habe, die Staatsverschuldung auf ein vernünftiges Niveau zu bringen. Im Gegenteil, die staatliche Verschuldung werde weiter steigen. Daraus macht auch das japanische Finanzministerium kein Geheimnis. Bis Jahresende würden die langfristigen Verbindlichkeiten auf 180 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIPs) steigen. Die öffentliche Hand nahm im vergangenen Jahrzehnt Unsummen für Konjunkturprogramme in die Hand, um die taumelnde Wirtschaft auf Touren zu bringen. Geholfen hat es wenig, lediglich der Schuldenstand stieg dramatisch an. Somit ist Japan heute deutlich stärker verschuldet als die maroden Euroländer Irland oder Griechenland.

Harte Sparmaßnahmen kann die Regierung unter Naoto Kan aber schwer durchsetzen, das würde die Konjunktur drosseln.

 

Höhere Zinsen für Investoren

Einen feinen Unterschied gibt es aber schon: Japan ist nicht wie Griechenland stark von ausländischen Investoren abhängig. Die Schulden werden fast komplett von heimischen Gläubigern gehalten. Viele private Anleger trugen ihr Erspartes zu den japanischen Banken, die es in Staatsanleihen investierten.

Was Experten aber Sorgen macht, ist die Überalterung der japanischen Bevölkerung. Die Menschen könnten im Alter vermehrt ihre Sparbücher öffnen, wodurch der Staat stärker von ausländischen Investoren abhängig würde. Diesen wird Japan in Zukunft wegen des schlechteren Kreditratings höhere Zinsen bieten müssen, um die Staatsanleihen auf dem Markt unterbringen zu können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2011)