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Plagiat? Hahns Dissertation wird neu geprüft

Dissertation Johannes Hahn wird
(c) EPA (OLIVIER HOSLET)
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Plagiatsvorwurf: Die Grünen beauftragen „Plagiatsjäger“ Weber, die Arbeit Johannes Hahns nach 2007 noch einmal zu prüfen. Doktorvater und Hahn selbst geben sich entspannt.

Wien. Die Dissertation des nunmehrigen EU-Kommissars Johannes Hahn wird neu geprüft: Die Grünen haben den heimischen „Plagiatsjäger“ Stefan Weber beauftragt, die Arbeit des promovierten Philosophen über „Die Perspektiven der Philosophie heute dargestellt am Phänomen Stadt“ aus dem Jahr 1987 noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Der Abgeordnete Peter Pilz will Weber entweder von seinem „persönlichen Verfügungskonto“ oder aus der Parteikasse ein „marktübliches Honorar“ bezahlen, damit dieser die Arbeit im Detail untersucht. So bestätigte Pilz am Dienstag einen Vorabbericht auf DiePresse.com. Das Honorar soll bei 5000 bis 10.000 Euro liegen.

Schon 2007 hatte Weber gratis und aus Eigeninitiative die Dissertation geprüft; Hahn warf er daraufhin „überaus schlampiges Arbeiten“ vor. Er habe „seitenweise abgeschrieben“, so Weber über Hahn, der damals ÖVP-Wissenschaftsminister war. Von Plagiat wollte Weber 2007 aber nicht sprechen, nachdem er nur Stichproben gezogen hatte. Auch ein externer Gutachter der Universität Zürich erhob keinen Plagiatsvorwurf.

>>Weber im Interview mit DiePresse.com

Im Schatten der Guttenberg-Affäre kommt nun aber neuer Schwung in die Sache: „Ist die Arbeit gefälscht? Haben wir einen zweiten Guttenberg?“, das solle Weber bis Mitte April herausfinden, sagt Pilz. Zuletzt war der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit schweren Plagiatsvorwürfen konfrontiert gewesen, er verzichtete daraufhin auf seinen Doktortitel.

 

Weber sieht „gute Chancen“

Mit einem Text- und Quellenvergleich soll Weber jetzt feststellen, wie schwer mögliche Fehler Hahns bei seiner Dissertation wiegen. Weber zur „Presse“: Er habe schon 2007 „gerochen, dass da mehr dran ist. Ich habe damals nicht alles gefunden, was dran ist.“ Nun gebe es bessere technische Mittel: Weber will vor allem das sogenannte Guttenberg-Wiki, also Internet-Portale, nützen und zweitens Bücher mit dem Dissertationstext vergleichen. Die Aussichten, Hahn doch noch ein Plagiat nachzuweisen, hält Weber für gut.

Gelingt der Nachweis, müsse Hahn sein Titel aberkannt werden, und er  wäre für sein hohes Amt in der EU nicht mehr tragbar, findet Pilz. Hahn selbst sehe die neuerliche Prüfung entspannt, hieß es am Dienstag in Brüssel. „Es gibt keine neue Dissertation“, sagte ein Sprecher – und schon 2007 habe man keine Beweise für ein Plagiat gefunden. So argumentiert auch Hahns Doktorvater, der Wiener Philosophie-Professor Peter Kampits. „Ich finde den Vorwurf (des Plagiats, Anm.) überzogen“, sagte er der „Presse“.

("Die Presse" Printausgabe vom 23.02.2011)