Das darf man zu einer Frau niemals sagen

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Da stand sie in der Tür, schaute auf die beiden Gäste, die gerade angeläutet hatten. „Ihr seid die zwei aus Wien, oder?“, fragte sie.

Mein Montag

Da stand sie in der Tür, schaute auf die beiden Gäste, die gerade angeläutet hatten. „Ihr seid die zwei aus Wien, oder?“, fragte sie. 900Kilometer waren sie hierher gefahren, um bei einer Geburtstagsparty in Köln als Überraschung für das Geburtstagskind aufzutauchen. Das Geburtstagskind, das unten im Partykeller saß und noch nichts von seinem Besuch ahnte. Mühsam hatten sie sich vom Hotel per Straßenbahn auf den Weg gemacht, waren unzähligen Kölnern in ihren bunten Karnevalskostümen begegnet, waren johlenden Gruppen betrunkener Jecken ausgewichen und hatten nach langer Suche endlich den Eingang zum kleinen Keller gefunden. Nun sollte es gleich so weit sein, die Freundin des Jubilars grinste die beiden an und bedeutete ihnen, nach unten zu gehen. Und als sie da so stand, in ihrem roten Kleid mit weißen Punkten, da entfuhr es einem der beiden Gäste aus Wien plötzlich: „Oje, wir sind ja gar nicht verkleidet.“ In diesem Moment gefror der Blick der Freundin. Sie blickte an sich herunter, hob den Kopf und sprach mit versteinerter Miene: „Ich auch nicht...“

Zu retten war die Situation nicht mehr. Denn mit nichts kann man eine modebewusste Frau wohl härter treffen als mit der Vermutung, ihr Outfit sei ein Karnevalskostüm. In der Intensität ist dieser Lapsus sogar vergleichbar mit der Frage, wann das Baby denn komme – nur die Frau gar nicht schwanger ist.

Ja, es gibt Menschen, die das zweifelhafte Talent haben, in ihrer Unbedarftheit Dinge auszusprechen, die das Licht der Welt vermutlich besser nicht erblickt hätten. Und die man künftig vielleicht einfach mit einem Redeverbot belegen sollte. Im konkreten Fall in Köln erübrigte sich das allerdings – denn erstaunlicherweise sprach die Freundin des Geburtstagskindes den ganzen Abend kein Wort mehr mit uns.

 

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2011)