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„Belcanto pianistico“ im Musikverein

(c) FABRY Clemens
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Liszt, Donizetti, Busoni: Barbara Moser zeigte im Musikverein, was sie alles im Opernrepertoire findet. Ein Ereignis ist die Phrasierungskunst der Pianistin, die auch süffigste Melodien vor Kitschverdacht bewahrt.

Barbara Moser macht Staunen. Bei ihrem Solorecital „Grand Opéra“ beim Frühlingsfest im Musikverein war man hin- und hergerissen: Verführten die rauschend-romantischen Klavierparaphrasen zum Augenschließen und Genießen, ließ der Blick doch nie von der Wiener Pianistin ab, die die ver- und entrücktesten Toneskapaden aus dem Flügel zauberte.

Die eigenwillige Präsentation des „belcanto pianistico“, wie Moser ihre Repertoire-Funde nennt, folgte einer stringenten Dramaturgie. Liszts betörende „Liebesträume“ standen als „Lieder-ohne-Worte“-Appetizer vor jeweils passenden pianistischen Erkundungen der Opernwelt. „Seliger Tod“ ging über in Donizettis „Lucia“-Paraphrase, „Hohe Liebe“ und die kostbare „Sérénade“-Perle der berühmten Sängerin und „Lisztianerin“ Viardot-García führten in die Welt der feurigen Habanera-Rhythmen von Busonis Fantasie über Bizets „Carmen“.

Ein Ereignis ist Mosers Phrasierungskunst, die auch süffigste Melodien vor Kitschverdacht bewahrt: Liszts Nocturne „O lieb, so lang du lieben kannst“ beginnt mit einem „Poco Allegro, con affetto“, doch Moser „sang“, in sich ruhend, schlicht die berückende Melodie, die so mancher aus der Werbung kennt. Wie gemacht schienen Freiligraths Verse für die „Traviata“-Fantasie, die Bearbeiter Leybach frei nach Verdi schrieb: Ihm gesellte sich die Arrangeurin Moser hinzu: Es wurde ein Feuerwerk der Arienhits.

Beim fulminanten Finale mit Liszts „Reminiszenzen an Bellinis Norma“ gelangte Moser bis zum (wohldosierten) dreifachen Allegro-Forte von einer obligatorischen Liszt-Stretta zur nächsten; zwischendurch schwelgte sie in kantablem Andante und passioniertem Lento. Ohne Anbiederung und Affekt, schnörkellos, natürlich. Schließlich der Schluss der „Sonnambula“-Fantasie: Auch wenn der Flügel hier besonders bebte – es war Mosers leichteste Übung des Abends, hat sie doch über Bellinis Oper promoviert. isa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2011)