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Mangelhafte Hüftprothesen: 88 Patienten betroffen

Mangelhafte Hueftprothesen Patienten betroffen
Symbolbild(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)
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Der Hersteller der Prothesen hat eine weltweite Rückrufaktion gestartet. Die Implantate haben einen verstärkten Metallabriebe. Acht Vorarlberger Patienten ließen sich die fehlerhafte Prothese bereits entfernen.

In den vergangenen Jahren wurden Österreichern möglicherweise defekte Hüftprothesen eingesetzt. Bei den Produkten der Firma "DePuy", einem Tochterunternehmen des US-Konzerns "Johnson & Johnson", soll offenbar ein verstärkter Metallabrieb festgestellt worden sein. Dieser könne sich im Gewebe und im Blut einlagern. "DePuy" ließ die Produkte weltweit bereits 2010 zurückrufen. Insgesamt seien seit der Produkteinführung 2006 550 Hüftprothesen in Österreich verkauft worden. Dies bedeute aber nicht, dass alle Implantate auch eingesetzt wurden, wie es am Montag aus der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) hieß.

Besonders betroffen scheint Vorarlberg zu sein. Nach Angaben von Gerald Fleisch, dem Direktor der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, sind 88 Patienten betroffen, denen insgesamt 99 der "DePuy"-Implantate eingesetzt wurden. Der letzte Eingriff mit einer "DePuy"-Hüftprothese sei in Vorarlberg im April 2009 vorgenommen worden, sagte Fleisch, anschließend habe es in der Medizinbranche "erste Verdachtsmomente gegeben, wonach bei diesem Produkt besonders viele Revisionen zu verzeichnen sind". Die überwiegende Mehrzahl der in Vorarlberg vorgenommenen Implantationen geht laut Christoph Grager von der Patientenanwaltschaft ins Jahr 2006 zurück.

Acht Hüftprothesen bereits ausgetauscht

Die Krankenhausbetriebsgesellschaft hat in Kooperation mit der Patientenanwaltschaft nach der Rückrufaktion von "DePuy" die 88 Betroffenen informiert. Acht davon ließen sich das künstliche Hüftgelenk bereits wieder entfernen, vier weitere solcher Operationen seien geplant, sagte Fleisch. Bei der Patientenanwaltschaft hatten sich bis Montag früh zehn Betroffene gemeldet, am Vormittag kam zumindest eine weitere Person hinzu. "Ich hoffe, dass noch weitere der 88 Personen mit uns Kontakt aufnehmen", so Grager. Manche der Operierten hätten keine Beschwerden, "es ist aber auch eine Metall-Belastung des Organismus nicht sofort spürbar", sagte Grager. Ein Bluttest könne Aufklärung darüber bringen, ob Legierungsbestandteile in einem zu hohen Maß im Körper vorhanden sind.

In Sachen Schadenersatz will man sich bei der Vorarlberger Patientenanwaltschaft vorerst alle Optionen offenhalten. In Deutschland, wo 5500 Personen betroffen sind, habe ein Anwalt bereits eine Strafanzeige eingebracht. Grager wies dabei insbesondere darauf hin, dass Hüftprothesen nicht beliebig oft eingesetzt werden könnten. Er rechne damit, dass "DePuy" einen Vergleichsvorschlag vorlegen werde.

Der Gesundheitssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, forderte in einer Aussendung Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) auf, ein verpflichtendes "Implantatregister" zu installieren, um die Datenlage zu verbessern. Dafür plädierte auch die FPÖ in einer Aussendung. Ärztesprecher und FPÖ-Abgeordneter Andreas Karlsböck tritt für eine bessere Kontrolle ein, denn die mangelnde Produktsicherheit liege daran, dass lediglich die Unterlagen begutachtet würden, die der Hersteller einreiche.

(APA)