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Muslimen geht es nicht anders

Auch der Islam wird bald zu einer netten Tradition à la Taufscheinkatholizismus.

MEINUNG

Vor Minaretten, Ramadan und dem Gejodel vom Imam, ja, ich hab so schrecklich Angst vor dem Islam.“ Viel treffender als das Gesangsduo Christoph & Lollo kann man die Haltung der österreichischen Bevölkerung gegenüber Muslimen kaum zusammenfassen. Es ist die Angst, von einer tief religiösen Gruppe überrannt zu werden. Allein, so tief religiös sind sie dann doch nicht. Nur knapp die Hälfte von Österreichs Muslimen sind laut einer Studie des Religionsforschers Paul M. Zulehner praktizierende.

Zugegeben, so manche Kirche würde sich bei einem solchen Wert alle Finger ablecken. Doch sieht man sich die Verteilung innerhalb der Muslime an, stößt man auf einen deutlichen Generationswechsel. Die Jungen sind längst in der Moderne angekommen. Und haben mit dem Islam ihrer Elterngeneration nicht mehr viel am Hut. Ein bisschen fasten, am Feiertag vielleicht in die Moschee, mehr nicht. Sehen wir es ein: Im Lauf der Zeit wird auch der Islam zunehmend zu einer nur mehr oberflächlich gelebten Tradition à la Taufscheinkatholizismus werden. Warum sollte es den Muslimen anders gehen als den Christen...


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2011)