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Der Mondsee ist privat und wird es auch bleiben

(c) FABRY Clemens
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Die Besitzerin des Mondsees hat den Verkauf „auf Eis gelegt“. Zuletzt waren die Verhandlungen, die es 2008 gegeben hatte, an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert.

Linz. „Wenn der Preis wirtschaftlich darstellbar ist, wären wir weiterhin interessiert“, sagt Bundesforste-Sprecher Bernhard Schragl zur „Presse“. An der unterschiedlichen Bewertung der wirtschaftlichen Darstellbarkeit war der Verkauf des Mondsees allerdings schon bei den Verhandlungen, die es 2008 gegeben hatte, gescheitert.

Die Besitzerin der außergewöhnlichen Immobilie, Nicolette Waechter, die den Salzkammergutsee 1977 von ihrem Bruder geerbt hat, erklärt dazu nun: „Ich habe die Sache auf Eis gelegt.“ Schwer verärgert hat sich Waechter aus den Verhandlungen zurückgezogen, nachdem zwischen den kolportierten Preisvorstellungen von bis zu 16 Millionen Euro (Waechter selbst sagt, sie habe eine niedrigere Summe vorgeschlagen und Verhandlungsspielraum signalisiert) und dem kolportierten Kaufangebot von 2,5 Millionen Euro (es geht um jährliche Einnahmen von rund 100.000 Euro durch Verpachtung von Bojen, Anlegestellen, etc.) eine Einigung als für beide Seiten vollkommen aussichtslos erschienen ist.

 

Politisches Risiko

Die Meldung, dass sich die blaublütige Eigentümerin vom Mondsee trennen will, hat für Nervosität in der Landespolitik gesorgt. Für einige Wochen kam es zum öffentlichen Schlagabtausch, bei dem der mögliche Verkauf an ausländische Investoren den politischen Druck vergrößerte: Denn laut einem im Zuge der Verhandlungen erstellten Rechtsgutachten hätte der öffentliche Seezugang beim Kauf auch durch private Interessenten erhalten bleiben müssen. Genau das wollte man naturgemäß verhindern – nur ein knappes Jahr vor den Landtagswahlen in Oberösterreich drohte der Mondsee zum wahltaktischen Risiko für Landeshauptmann Josef Pühringer zu werden, der Druck, den See, wenn er schon zum Verkauf stünde, in öffentliche Hand zu bekommen, stieg. Das Land Oberösterreich, das Land Salzburg, die Bundesforste und Waechter trafen sich schließlich zu einem Gipfeltreffen – das allerdings ergebnislos blieb, Waechter zog ihr Angebot zurück. Auch Meldungen, der Verkauf sei durch das Grundverkehrsgesetz geschützt, konnten sie nicht einschüchtern: „Das hieße nichts anderes, als dass der See nur an Bürger der EWR-Mitgliedstaaten verkauft werden dürfe. So what?“

Offenbar fand sich dann doch kein privater Käufer – der Mondsee gehört weiterhin Waechter. Möglicherweise für längere Zeit: Für sie, sagt Waechter, sei ein Verkauf derzeit kein Thema.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2011)