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„Beipackzettel“ für Eltern?

Gewalt gegen (Klein-)Kinder provoziert viele Fragen. Antworten fehlen oft.

Wie konnte das passieren? Wie war es möglich, dass die Mutter der dreijährigen Angelina seit einem Jahr von Sozialarbeitern betreut wird – und das Mädchen dennoch, so wie die Faktenlage aussieht, misshandelt wurde? Gab es keine Anzeichen familiärer Gewalt? Haben die Sozialarbeiter versagt? Die Nachbarn? Die Kindergartenpädagoginnen? Der Gesetzgeber? Die Gesellschaft?

Fälle wie diese machen betroffen. Und es stellen sich viele Fragen. Schuld wird reflexartig zugewiesen. Kurzzeitig erhöht sich die mediale Aufmerksamkeit für ähnliche Fälle. Dann versinkt alles wieder im kollektiven Vergessen. Bis zum nächsten Mal. Über den Anlassfall hinausgehende Konsequenzen werden selten gezogen. Welche auch? Die Behörde muss notgedrungen eine Gratwanderung zwischen dem Recht auf die Eltern(teile) und die Unversehrtheit des Kindes vollziehen. Das gelingt meist. Aber leider eben nicht immer. Vielleicht sollte mit Hilfe – besonders für offensichtliche Problemfälle – früher begonnen werden. Impftermine und Augenuntersuchungen für Kleinstkinder allein machen noch keinen perfekten Mutter-Kind-Pass.

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2011)