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Wiener Linien: Die Jahreskarte um 1 Euro pro Tag

(c) Clemens Fabry
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Die Tarifreform der Wiener Linien nimmt langsam Formen an und erste Details stehen dem Vernehmen nach schon fest. Die Jahreskarte wird um fast 20 Prozent billiger. Die Grünen sehen dies als Erfolg.

Wien. Es war ein verlockendes Wahlversprechen. Wenn die Grünen den Sprung in die Stadtregierung schaffen, wird der Preis für die Jahreskarte der Wiener Linien von 449 Euro auf 100 Euro gesenkt. Dass daraus nichts wird, hatte Bürgermeister Michael Häupl aber nach der Bildung der rot-grünen Stadtregierung erklärt: Ein derartiges Projekt würde die Wiener Linien und die Stadt finanziell völlig überfordern.

Seitdem wird in einer Arbeitsgruppe verhandelt, wie die Tarife der Wiener Linien künftig aussehen. Nun ist im Rathaus zu hören, dass die Verhandlungen in die Endphase gehen – obwohl die rot-grüne Koalition die Präsentation der Ergebnisse wegen der zähen Verhandlungen von Juli auf den heurigen Herbst verschoben hat.

In den Büros von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou und SP-Klubchef Rudolf Schicker heißt es zwar: „Es ist noch nichts entschieden – wir verhandeln bis Herbst weiter.“ Doch erste Details stehen dem Vernehmen nach schon fest.

• Jahreskarte. Aus der 100-Euro-Jahreskarte für alle wird nichts, sie wird allerdings deutlich billiger. Statt bisher 449 Euro soll sie künftig 365 Euro kosten – eine Preisreduktion um rund 85 Euro. Man könne damit argumentieren, dass jeder Jahreskartenbesitzer das gesamte Streckennetz der Wiener Linien um nur einen Euro pro Tag äußerst günstig benutzen kann, heißt es im Rathaus. In grünen Kreisen wird das durchaus als Erfolg gefeiert: „Die Wiener Linien wollten den Preis der Jahreskarte auf 500 Euro erhöhen. Wir haben diese Preiserhöhung nicht nur verhindert, sondern auch eine deutliche Preisreduktion bei den Jahreskarten erreicht.“ Und: „Das ist ein Erfolg, den man herzeigen kann.“ Mit der Ticketumstellung, die am 1.Jänner 2012 erfolgen soll, wird die neue, billigere Jahreskarte eingeführt.

• Wochen-/Monatskarten. Bei den Preisen für die Wochen- und Monatskarten (14 bzw. 49,5Euro) soll es keine großen Sprünge geben. Es steht allerdings eine Preiserhöhung von wenigen Prozenten bis zu zehn Prozent im Raum.

• Einzelfahrschein. Die Tarifreform hat ihren Preis. Fix ist, dass die Einzelfahrscheine deutlich teurer werden. Immerhin war aus der Verhandlungsgruppe zur Tarifreform zu hören, dass Vielfahrer belohnt werden sollen. Auch sollen die höheren Einzelfahrscheinpreise die Wiener motivieren, sich eine Jahreskarte zu kaufen und das eigene Auto stehen zu lassen.

Derzeit kostet ein Einzelfahrschein 1,8Euro im Vorverkauf und 2,2Euro direkt im Fahrzeug. Künftig soll der Einzelfahrschein etwa 2,1Euro kosten bzw. 2,5Euro, wenn er direkt im Fahrzeug gelöst wird.

• Seniorentarife. Ein Knackpunkt sind die Seniorentarife. Der Verfassungsgerichtshof hat die Bestimmung, dass Frauen mit 60Jahren und Männer mit 65Jahren eine verbilligte Seniorenjahreskarte der Wiener Linien bekommen, aufgehoben – weil sie dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht. Dass das Bezugsalter der 224-Euro-Jahreskarte für Männer auf das Niveau der Frauen gesenkt wird, ist in der finanziell angespannten Lage der Stadt nicht möglich. Vielmehr steht ein Kompromiss im Raum, dass die Seniorenkarte für Männer und Frauen ab einem Alter von etwa 63 Jahren gilt.

Im Rathaus wird erwartet, dass das offizielle Ergebnis erst im Herbst präsentiert wird, weil noch verschiedene Details verhandelt werden müssen. Vor Kurzem haben die Grünen der SPÖ ihre Kompromissvorschläge zu den strittigen Punkten auf den Tisch gelegt. Nun muss sich die SPÖ dazu intern beraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2011)