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Dubiose Geschäfte: EU-Bann trifft Telekom in Weißrussland

(c) APA (Barbara Gindl)
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Weißrussland dürfte die Telekom Austria intensiv beschäftigen, denn die von der Europäischen Union über die Beltelecom des Lukaschenko-Vertrauten Wladimir Peftiew verhängten Sanktionen setzen die TA unter Druck.

Wien. „Vergangenheitsbewältigung“ – das ist in der Telekom Austria (TA) derzeit oberstes Gebot. Zuoberst auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung am gestrigen Dienstag stand deshalb das „System Telekom“, wie es ein Insider gegenüber der „Presse“ bezeichnete – und nicht die Halbjahreszahlen. Die sind – vor allem wegen des hohen Abschreibungsbedarfs in Weißrussland – zwar auch nicht berauschend, aber sie verblassen angesichts der millionenschweren Prämien und Honorare, die einige TA-Manager und deren Freunde aus mutmaßlichen Malversationen zogen.

Weißrussland und das seit 2007 bestehende Engagement beim Handynetzbetreiber Velcom dürften die TA dennoch abgesehen vom Ergebniseinbruch noch intensiv beschäftigen: Denn die letzte Diktatur Europas steht seit Juni unter verschärften Sanktionen der EU. Anfang August haben auch die USA ihre Sanktionen verschärft. Brüssel und Washington reagierten damit auf die fortgesetzte Unterdrückung von Oppositionspolitikern und Menschenrechtsaktivisten durch die weißrussische Führung unter Staatschef Alexander Lukaschenko.

Auf die „schwarze Liste“ hat die EU einen Mann und einige seiner Firmen gesetzt, der für die TA kein Unbekannter ist: Wladimir Peftiew. Der als „Privatbankier“ von Lukaschenko geltende Tycoon, der über seinen Rüstungskonzern Beltechexport der größte Waffenhändler Weißrusslands ist, soll auch Anteile an der MDC gehalten haben, wie die Velcom ursprünglich hieß. Die Mehrheit an der MDC besaßen der Investor Martin Schlaff und sein syrischer Geschäftspartner Id Samawi über ihre SB Holding.

 

Vermögen wurde eingefroren

Peftiew hat seine Anteile an der MDC gleichzeitig mit Schlaff und Samawi verkauft. Zu Peftiews Firmen gehören jedoch neben der Beltechexport der Glücksspielkonzern Sport-Pari und der Telekomkonzern Beltelecom. Das Vermögen und den Handel mit diesen drei Firmen hat die EU eingefroren. Zum Problem für die TA könnte die Beltelecom werden.

Generell brauchen Mobilfunker die Infrastruktur eines Festnetzes, um ihre Dienste anbieten zu können. Für die Durchleitung von Gesprächen von einem Netz zum anderen zahlen die Unternehmen gegenseitig Entgelte. Das ist auch in Weißrussland so – als Partner der Velcom kommt nur die Beltelecom infrage. Mit der dürfte die TA seit den Sanktionen eigentlich keine Geschäfte mehr machen.

Dazu TA-Sprecherin Elisabeth Mattes zur „Presse“: „Wir sind bisher von EU-Sanktionen nicht tangiert worden.“

Der PR-Mann Peter Hochegger, der unter anderem von der TA Honorare kassiert hat, für die die von TA-Boss Hannes Ametsreiter eingesetzte Taskforce keine adäquaten Leistungen finden konnte, taucht auch beim Weißrussland-Deal auf. Er soll in Bulgarien eine Firma gegründet haben, über die Lobbying in Weißrussland betrieben werden sollte. Ob und wie das überhaupt geschehen ist, dürften möglicherweise die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft klären. Gegen Hochegger wird im Zusammenhang mit den Honorarflüssen und der Kurs-Affäre ermittelt. Darüber hinaus ist er auch einer der Beschuldigten in der Buwog-Causa. Es gilt die Unschuldsvermutung.

 

Boni werden zurückgefordert

In der Affäre um den dubiosen Kurssprung im Februar 2004, der rund 100 Telekom-Managern zu saftigen Prämien von in Summe 9,2 Mio. Euro aus einem Aktienoptionsprogramm verhalf, greift die TA jetzt durch. Der Aufsichtsrat mit seinem neuen Präsidenten, Markus Beyrer, hat beschlossen, die Boni von den inzwischen ausgeschiedenen Vorständen Heinz Sundt, Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Boris Nemsic zurückzufordern. Ametsreiter, der damals Marketingvorstand der Mobilkom war, hat bereits angekündigt, seinen Bonus in Höhe von 92.000 Euro freiwillig zu refundieren. Außerdem bringt die TA gegen Fischer, Gernot Schieszler und Josef Trimmel, die laut dem Geständnis von Schieszler maßgeblich in die Kursmanipulation verwickelt waren, eine Schadenersatzklage auf die volle Schadenssumme ein. Eine Klage auch gegen Sundt und Colombo wird geprüft.

Beyrer stärkt Ametsreiter bei seinen Bemühungen, Tabula rasa zu machen, den Rücken. „Aufsichtsrat und Vorstand setzen in enger Abstimmung alle Schritte, die notwendig sind, um den dem Unternehmen und den Aktionären entstandenen Schaden bestmöglich auszugleichen.“

Auf einen Blick

Die Telekom Austria dürfte durch die EU-Sanktionen gegen Weißrussland mit ihrer Tochter Velcom ein Problem bekommen. Von den ehemaligen Vorständen, die durch mutmaßliche Kursmanipulation einen Prämie erhielten, wird diese zurückgefordert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2011)