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Eine Frage der Ehre

Das Team war Didi Constantini keine Hilfe. Aber der Trainer auch nicht der Mannschaft.

Es könnte schon das letzte Spiel für Dietmar Constantini als Fußball-Teamchef werden. Aber nur er selbst hat es in der Hand, über sein sportliches Schicksal zu bestimmen. Der Tiroler weiß, was es geschlagen hat. Jetzt geht es darum, sich mit Anstand zu verabschieden. Ein Sieg gegen die Türkei würde an seiner Situation zwar nicht mehr viel ändern, aber Teamchef und Mannschaft stehen am Dienstag im Happel-Stadion in der Pflicht.

Es ist eine Frage der Ehre, sich für die desaströse Vorstellung von Gelsenkirchen mit einer leidenschaftlichen und ehrlichen Leistung zu entschuldigen. Der Teamchef könnte nachhelfen, seine Kritiker einmal positiv überraschen. Mit einer passenden taktischen Variante und mit einer Mannschaft, die auch tatsächlich die beste Elf stellt.

Legionäre, die über zu wenig Spielpraxis verfügen, können der Nationalmannschaft auf Dauer nicht helfen. Immer nur auf Versager zu setzen, die gegen Özil und Co. nicht einmal eine einzige Gelbe Karte kassieren, das wird auf Dauer nicht nur unbefriedigend, sondern frustrierend.

Der Teamchef muss gegen die Türken etwas riskieren, will er im letzten Moment den Schaden doch noch begrenzen. Mit dem Rücken zur Wand steht Didi Constantini schon länger. Jetzt aber kann ihn auch die Mannschaft nicht mehr retten. Die kann sich nämlich nicht einmal selber helfen.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2011)